Wenn sich zwei Antriebe ergänzen

landroverEin SUV mit Hybrid-Antrieb, funktioniert das? Land Rover wagt den Versuch und schickt nächstes Jahr seinen Range Rover mit zwei Aggregaten auf den Markt.

von Toprak Yerguz

Für die Automobilindustrie ist die Lage nicht einfach: Die Zuverlässigkeit der Produkte ist so hoch wie noch nie, was die Notwendigkeit der Anschaffung eines neuen Modells weniger dringend erscheinen lässt. In den städtischen Agglomerationen, wo immer mehr Menschen wohnen, wird zudem der öffentliche Verkehr ausgebaut, was für die Autobranche auch nicht förderlich ist. Der Altersdurchschnitt eines Neuwagenkäufers war noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr, hat das Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen errechnet. Im laufenden Jahr 2013 liegt der Altersschnitt bei 52,4 Jahren. 1995 lag er noch bei 46,1 Jahren. Da ist es fast ein Glück, dass zusätzlich auch noch die ganze Welt nach umweltverträglicheren Modellen schreit. Denn dort lassen sich Neuerungen immer noch verkaufen.

In ein neues Zeitalter
Land Rover wagt nun einen weiteren Schritt in alternative Antriebstechnologien. Die britische Marke der indischen Eigentümer Tata Motors bringt ein SUV mit kombiniertem Diesel- und Elektroantrieb auf den Markt. Das Flaggschiff Range Rover wird in der Hybrid-Variante von einem V6- Dieselmotor angetrieben, der wiederum von einem Lithium-Ionen- Akku unterstützt wird. Das Modell wurde an der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt vorgestellt.

Ob ausgerechnet der Range Rover für einen solchen Hybridantrieb taugt? Ein Versuch ist es allemal wert: Wenn es dieses über zwei Tonnen schwere Auto schafft, sich als Hybrid-Modell auf dem Markt durchzusetzen, sollte dies für viele andere Modelle auch möglich sein. Wenigstens dürften die zusätzlichen Kosten für den Hybridantrieb in dieser Preisklasse nicht mehr eine grosse Rolle spielen: Den günstigsten Range Rover gibt es im Moment ab 115 900 Franken zu kaufen, die teuerste Variante kostet 165 000 Franken – ohne Extras. Irgendwo dazwischen wird das Hybridmodell angesiedelt sein. Wie viel es in der Schweiz kosten wird, wurde noch nicht kommuniziert.

Auf Expedition
Der Versuch bleibt dennoch ein Wagnis. «Zwitter», «Chimäre» oder einfach nur «Widerspruch»: Wer zwei Gegensätze vereint, erntet oft zurückhaltende bis abwehrende Reaktionen. Daraus spricht die Furcht, «nichts Rechtes» zu kriegen. Das weiss auch John Edwards, Global Brand Director von Land Rover. Er unterstreicht deshalb die Potenz des Modells, das einen Dieselmotor mit einer E-Maschine verbindet: «Die Leistungsfähigkeit muss keinen Vergleich mit den kraftvollen SDV8- Versionen scheuen.» Um diese Aussage zu unterstreichen, hat Land Rover seine Range Rover vor dem Verkaufsstart auf die legendäre Seidenstrasse geschickt. Auf den 16 000 Kilometern zwischen Grossbritannien und Indien sollen die Range Rover beweisen, dass sie auch in der Hybrid-Variante für Expeditionen taugen. Der britische 4×4-Spezialist nennt das Unterfangen eine «Testfahrt», der Rest der Welt nennt es eine «Marketingübung ».

Für den Mischbetrieb konzipiert
Immerhin, die ersten Berichte sind ermutigend: Dem Range Rover spürt man das zusätzliche Gewicht des Akkus nicht an, was angesichts des nicht geringen Gewichts eines Range Rovers nur mässig verwundert. Auch im Innenraum müssen keine Platzeinbussen in Kauf genommen werden. Insofern ist die Hybrid-Variante ein «ganzer» Range Rover. Dieser Eindruck gilt auch bei der Leistung. Der V6-Dieselmotor und der Elektroantrieb wurden für den gemeinsamen Einsatz entwickelt und aufeinanderabgestimmt: In diesem Fall glänzt der Hybrid tatsächlich mit einer Leistung, die derjenigen des V8-Diesel- Modells ebenbürtig ist. Natürlich ist die Versuchung gross, einen Range Rover nur unter dem leichten Summen des Elektroantriebs zu fahren. Das ist zwar ein spassiges Erlebnis, aber daran sollte man sich nicht gewöhnen: Wer nur mit Strom fährt, muss damit rechnen, bald stehen zu bleiben. Nach etwas mehr als einem Kilometer bei maximal 50 Stundenkilometern ist der Akku nämlich leer.

Ein sparsames SUV
Der Range Rover und der Range Rover Sport 3.0 SDV6 Hybrid sollen auf 100 Kilometern rund 6,4 Liter Kraftstoff verbrauchen und 169 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen, wenn sie ab 2014 auf und neben den Strassen unterwegs sind. Wie immer gilt: Das sind die Werksangaben, die in der Regel im Praxistext nach oben korrigiert werden.

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