Vom Pionier zum Weltmarktführer

Die Kompogasanlage in Volketswil: Sie erlaubt den Nutzern den Umstieg von der Abfallauf die Ressourcen-Wirtschaft.

Die Kompogasanlage in Volketswil: Sie erlaubt den Nutzern den Umstieg von der Abfallauf die Ressourcen-Wirtschaft.

Bei der Umwandlung von Bioabfall in CO2-neutrales Gas ist die Axpo Kompogas AG weltweit Technologie und Marktführerin. Das Gas kann zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt oder zu Treibstoff aufbereitet werden, der Rest dient als Naturdünger.

Von Daniela Biedermann

«Jede Pflanze ist eigentlich eine Solarzelle» – diese Erkenntnis des Bau- und Generalunternehmers Walter Schmid stand 1991 am Anfang einer Erfolgsgeschichte: Eine Firma im zürcherischen Glattbrugg steigt zum weltweit führenden Unternehmen der Energiegewinnung aus Bioabfall auf, sowohl technologisch als auch punkto Absatz.

Den Aufbruch in eine neue, naturnahe und die Umwelt entlastende Energiezukunft hatte Schmid freilich schon viel früher gewagt. Bereits 1975 hatte der innovative Unternehmer eine der ersten solarthermischen Anlagen installiert, in einem nächsten Schritt folgte 1978 die erste fassadenintegrierte Fotovoltaik-Anlage der Schweiz. Rund zehn Jahre später folgte ein Verfahren, das feste organische Abfälle zur Gewinnung von sogenanntem Kompogas nutzte. Was vereinfacht heisst: Der organische Abfall wird kontrolliert vergärt, um so die hochwertigen Folgeprodukte Dünger und Biogas zu gewinnen. Letzteres lässt sich entweder zum Treibstoff für Autos aufbereiten oder wird zur Stromerzeugung genutzt, wobei die dabei entstehende Abwärme zum Heizen dienen kann. Walter Schmid räumt zwar ein, dass «der Weg lang und nicht immer einfach war», relativiert aber: «Vor 15 Jahren wurde meine

Vision belächelt, heute ist sie Realität.» Und stolz weist er auf die rein schweizerische Provenienz des gesamten Know-hows hin, für ihn das Resultat einer landestypischen «gesunden Kooperation zwischen Forschung, Wirtschaft und Bevölkerung».

Die Kleinräumigkeit der Schweiz setzt indes dem Wachstum natürliche Grenzen. Für Walter Schmid war deshalb die Suche nach einem geeigneten Partner ein unternehmerisches Gebot. Potent, kompetent und zuverlässig sollte dieser sein, zudem über internationale Erfahrungen und Verbindungen verfügen. Seinen «Wunschpartner» fand Schmid 2006 in der Axpo, dem Energieunternehmen in öffentlicher Hand, das der grösste Schweizer Investor im Bereich neue erneuerbare Energien ist.

Die Welle: Herzstück des Fermenters in Kompogasanlagen.

Die Welle: Herzstück des Fermenters in Kompogasanlagen.

Langfristig plant Axpo drei Milliarden Franken in neue erneuerbare Energien zu investieren. Für den Konzern wiederum, der sich nicht erst heute am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert, stellte die Axpo Kompogas AG den willkommenen Grundstein für den Auf- und Ausbau des strategischen Geschäftsfeldes neue erneuerbare Energien dar. Der entsprechende Fokus von Axpo liegt hierzulande auf Biomasse, Kleinwasserkraft und Geothermie, alles Energiequellen, die faktisch unabhängig von Wetterlagen die für eine gesicherte Stromversorgung erforderliche Bandenergie liefern. Seit 2011 ist die Axpo Kompogas AG, wie das eigenständig auftretende Unternehmen seit 2009 firmiert ist, ganz im Besitz der Axpo.

Aus der Tüftelei wird ein Erfolgskonzept
Alles sei in die Luft geflogen, «eine riesige Sauerei» habe es gegeben, erinnert sich Walter Schmid an den Anfang. Die CO2-neutrale Verwertung aller Art organischer Abfälle aus Haushalt, Garten und Gastronomie (insgesamt mehr als ein Drittel dessen, was unsere Kehrichtverbrennungsöfen füllt) ist zum ökologisch und ökonomisch ausgereiften Prozedere geworden. Es erlaubt den Nutzern den Umstieg aus der Abfall- in die Ressourcen- Wirtschaft. Kern des Verfahrens ist die Trockenvergärung von Bioabfall unter Ausschluss von Sauerstoff.

Im sogenannten Fermenter entsteht CO2-neutrales Biogas, das in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird. Den so produzierten Ökostrom speist man ins öffentliche Netz ein, die entstehende Wärme kann in einem Nahwärmenetz genutzt werden. Alternativ lässt sich das Biogas auch zu Autotreibstoff aufbereiten. Eine Tonne so abgebauter biogener Abfall ergibt Tankfüllungen, die einen Mittelklassewagen 1000 Kilometer weit bringen. Und selbst die Reststoffe finden Verwendung: Das 14 Tage lang hygienisierte Gärgut dient als flüssiger oder fester Naturdünger oder wird zu hochwertigem Kompost veredelt. Mit diesen Qualitätsprodukten, die sich auch in der Bio-Landwirtschaft bestens bewähren, ist der Stoffkreislauf optimal geschlossen. Pro Jahr könnten in der Schweiz mehr als eine Million Tonnen organische Abfälle vergärt werden.

Weitere Informationen zur Axpo Kompogas AG

Die Kompogasanlage in Volketswil: Sie erlaubt den Nutzern den Umstieg von der Abfallauf
die Ressourcen-Wirtschaft.

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