«stop2go» – Kultuhr am Handgelenk

stop2go2Seit über 20 Jahren gibt es die Schweizer Bahnhofsuhr auch als Armbanduhr. Jetzt wurde sie von Mondaine perfektioniert.

Von Matthias Hosp

Für jeden Zugfahrer ist sie ein Begriff, die Uhren in den Bahnhöfen der SBB, die Sie hoffen und bangen lässt, ob Sie den Zug noch knapp erreichen oder die Sie verfluchen, weil Sie ihn bereits verpasst und auf den nächsten warten müssen. Die Uhr mit dem prägnanten roten Sekundenzeiger gibt es seit 1986 auch als Armbanduhr von Mondaine. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. In über 40 Ländern ist sie seit drei Jahrzehnten ein Renner.

Nun ist endlich die Weiterentwicklung dieses Meisterwerks auf dem Markt. Wie die von der SBB entwickelte Bahnhofsuhr, stoppt die Quarzuhr zur vollen Minute knapp zwei Sekunden, um anschliessend mit einem Sprung weiter ihren Dienst zu versehen.

Zwei Sekunden sind viel, denn normalerweise reagiert das menschliche Auge im Bruchteil einer Sekunde, wenn es einen Blick auf das Handgelenk wirft. Die «stop2go» wurde im Frühjahr erstmals an der Basel World dem faszinierten Publikum vorgestellt und ist inzwischen zum Flaggschiff der Mondaine-Gruppe geworden. Faszinierend ist dabei, dass die Uhr mit ihrem Preis von knapp 650 Franken nicht zu den Nobelmarken gehört. Aber sie wird in einem Atemzug mit Rolex, Breitling und Co. genannt. Sicher trägt nicht zuletzt dazu bei, dass es sich um die offizielle Schweizer Bahnhofsuhr handelt.

Vom Design her gibt es elegantere und verspieltere Uhren. Aber wahrscheinlich ist genau die Schlichtheit, mit der sie daherkommt, ihr entscheidender Vorteil; schnörkelloses Design, auch auf grössere Distanz gut ablesbares Zifferblatt und vor allem als Highlight die rote Sekundenanzeigerkelle. «Nicht nur die Kelle, mit der die Zugbegleiter dem Zugführer Signale geben, war Vorbild für das Design dieses Sekundenzeigers, sondern das weithin sichtbare Anzeigeinstrument beim Schiesssport», ergänzt André Bernheim, der zusammen mit seinem Bruder Ronnie das unabhängige Familienunternehmen leitet.

Wie sie entstand
Die Entwicklung der Uhr geht auf den SBB-Eisenbahningenieur Hans Hilfiker (1901–1993) zurück. 1946 erhielt er den Auftrag, alle Uhren in den Schweizer Bahnhöfen zu synchronisieren. Keine leichte Aufgabe, weil Stromschwankungen damals eine exakte Zeitmessung verunmöglichten. Der geniale Tüftler Hilfiker wandte daraufhin einen Trick an. Er liess den Sekundenzeiger in 58,5 Sekunden eine Runde drehen, hielt ihn danach bei 12 Uhr für 1,5 Sekunden an, bis die Hauptuhr aller Bahnhofsuhren in der Schweiz über eine Telefonleitung das Signal gab, weiter zu drehen. Genial und einfach, aber man muss zuerst darauf kommen. Die Uhr wurde zum Kult, wobei es beinahe weitere 40 Jahre dauerte, bis Mondaine-Unternehmensgründer Erwin Bernheim die Idee hatte, das schlichte, zeitlose Design auch auf Armbanduhren zu übertragen.

Uhren- und natürlich Eisenbahnfans waren begeistert und rissen ihm die erste Schweizer Bahnhofsarmbanduhr praktisch vom Handgelenk. Die Kultuhr aus der Schweiz setzte zum Eroberungszug über die Grenzen hinaus an. Die bedeutendsten Exportmärkte sind noch heute Deutschland und Japan und Grossbritannien, wo es der Zeitmesser sogar ins Design- Museum in London schaffte.

Der feine Unterschied
Trotz allen Erfolgen. Ein Unterschied blieb zum Original in den Bahnhöfen. Die zwei Sekunden, während denen der Chronometer seit jeher den Schnauf anhielt, blieb den Bahnhöfen vorbehalten. Nach jahrelanger Entwicklungszeit gehört dies aber endgültig der Vergangenheit an. «Wie am Perron gleitet der Sekundenzeiger in 58 Sekunden ringsum, um dann um 12 Uhr für knapp zwei Sekunden zu stoppen. Anschliessend springt der Minutenzeiger vorwärts und die Sekunde startet die nächste Runde », schwärmt André Bernheim von seiner Neuentwicklung, deren Schweizer Quarzwerk speziell für dieses Modell entwickelt wurde. Das neue Modell «stop- 2go», verfügt noch über eine weitere Exklusivität. Die Krone zum einfachen Bedienen der elektronisch einstellbaren Zeiger ist keine eigentliche Krone wie bei allen übrigen Uhren, sondern ein Schalterelement.

Die Mondaine-Gruppe
Geführt wird das 1951 von Erwin Bernheim gegründete Familienunternehmen in zweiter Generation von den Gebrüdern André und Ronnie Bernheim. Sie haben die Geschäftstätigkeiten der Mondaine-Gruppe im Laufe der Jahre kontinuierlich ausgebaut und letztes Jahr zusätzlich die Marlox-Gruppe gegründet, die auf Design, Produktion, Marketing und den Vertrieb von Modeuhren und –schmuck namhafter Marken spezialisiert ist. Das Mondaine- Haus in Biberist beherbergt einerseits die Produktion der eigenen Marken Mondaine, M-Watch, Luminox und Lizenzmarken wie «camel active», sowie die Herstellung von Uhren von Drittunternehmen. Andererseits werden von hier aus über die Marlox AG Uhren und Schmuck für Esprit, JOOP! und Puma nach Europa vertrieben. Zusätzlich zum Standort Schweiz haben André und Ronnie Bernheim mit Partnern 2009 in Produktionsstandorte in Fernost investiert, um die Kundenbedürfnisse für Schmuck und Fashionuhren optimal bedienen zu können.

„Nun ist endlich die Weiterentwicklung dieses Meisterwerks auf dem Markt. Wie die von der SBB entwickelte Bahnhofsuhr, stoppt die Quarzuhr zur vollen Minute knapp zwei Sekunden, um anschliessend mit einem Sprung weiter ihren Dienst zu versehen.“

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