Online-Communities verbessern soziale Kontakte von Menschen über 60

Die 60+-Jährigen von heutzutage sind aktiver und sozial verbundener als je zuvor. Was aber geschieht mit all ihren sozialen Kontakten, wenn sie zu arbeiten aufhören oder weniger mobil werden? Das hochinnovative Forschungsprojekt Third Age Online (TAO) zeigt, dass über 60-Jährige – und ihre Lebensqualität – viel gewinnen, wenn sie sich Online-Communities (wie Wikipedia oder Facebook) anschliessen. Die Berner Fachhochschule leitete das internationale TAO-Experten-Team aus der Schweiz, der Niederlande und Deutschland.

© Picture-Factory - Fotolia.com

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Nie zuvor wurde in der Schweiz darüber geforscht, ob Online-Communities (Gemeinschaften, in denen die meisten Kontakte online stattfinden), wie zum Beispiel Wikipedia, die sozialen Kontakte und die Lebensqualität von sogenannten «best agers» verbessern können. Nach drei Jahren intensiver Untersuchungen haben Forscherinnen und Forscher aus der Schweiz, der Niederlande und Deutschland durch Untersuchungen in allen drei Ländern herausgefunden, dass die aktive Teilnahme an Online-Communities das Leben von älteren Erwachsenen in der Tat bereichert. Der Grund dafür: Online-Communities decken einen Teil ihrer Bedürfnisse ab.

Alle Menschen, auch die über 60-Jährigen, möchten sich kompetent und wertgeschätzt fühlen, Gemeinschaftsgefühle erfahren, unabhängige Entscheide treffen und neue Herausforderungen annehmen. Oftmals decken ihre alltäglichen Aktivitäten diese Bedürfnisse ab. Wenn sich ihr soziales Umfeld aber verändert (z.B. durch Pensionierung) oder ihre Mobilität eingeschränkt wird (z.B. indem sie Familienmitglieder betreuen oder selbst gesundheitliche Probleme bekommen), können Online-Communities verschiedene dieser Bedürfnisse befriedigen. Einige Communities fokussieren auf soziale Kontakte, andere auf Wissenstransfer (z.B. Wikipedia) oder sie geben Interessierten die Gelegenheit für Freiwilligenarbeit, wie z.B. Texte verfassen oder Treffen im wirklichen Leben organisieren. Weshalb beteiligen sich Menschen im Alter von 60+ dann nicht öfters an Online- Communities?

Die Ergebnisse zeigen, dass die Hindernisse nicht technischer Natur sind, sondern vielmehr sozial bedingt: «Ich sehe den Nutzen nicht», so eine häufige Aussage der befragten Personen. Bis heute gelingt es den wenigsten Online-Communities, klar mitzuteilen welche Vorteile (ältere) Nutzer haben, die sich ihnen anschliessen. Um Online-Communities darin zu unterstützen, für Seniorinnen und Senioren attraktiver zu werden, hat das TAO-Team ein Online-Handbuch entwickelt, das kostenlos und für alle zugänglich ist. Die Hauptzielgruppen des Handbuches sind Geschäftsleiter und Mitarbeitende von Online-Communities. Das Handbuch bietet klare Richtlinien zu einem Präsentation der neuen Ergebnisse breiten Themenspektrum: Von Freiwilligen-Management über Tipps zur Vereinfachung der technischen Bedienbarkeit bis hin zu Geschäftsmodellen. Davon profitieren nicht nur Seniorinnen und Senioren, auch Online-Communities und ihre Mitglieder ziehen einen Nutzen aus der grossen, neuen Zielgruppe.

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