Lost in Translation… mit analoger Denke unterwegs in einer digitalen Welt

gutes-karma-to-goVon  Bettina Marie Schneider

Als am 1. Juli 1979 der allererste Sony Walkman auf den Markt kam , für die Jüngeren unter Ihnen, das war quasi der Urgroßvater des Apple iPod , da erschien mir diese, laut Patentanmeldung „körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen „ bereits als die Perfektion all meiner technischen Wunschträume.

Beglückt darüber, endlich bei jeder Gelegenheit Musik hören zu können, stellte ich den Ghetto Blaster in die Ecke und fühlte mich mit dieser Errungenschaft auf den Ohren , technisch voll auf der Höhe der Zeit. Auch als der Plattenspieler dem CD Player wich , der Walkman vom Discman abgelöst wurde und die ersten unförmigen Mobiltelefone in den 80ern auf den Markt drängten,  hatte ich stets nur einen mitleidigen Blick für alle übrig, die nicht verstehen wollten, welche geniale Möglichkeiten diese ungewohnten Gerätschaften boten und nicht damit zurecht kamen. Ich wälzte Gebrauchsanleitungen, probierte mich begeistert durch die neuartigen Funktionen und ging am Ende stets als Sieger hervor, sprich, das Gerät tat das, was ich von ihm wollte.

Irgendwann, ich muss wohl gerade mit etwas anderem beschäftigt gewesen sein, habe ich jedoch hoffnungslos den Anschluss verpasst. Irgendwann zwischen dem Sprung vom simplen Handy zum “Overkill – Hightech- Fotoapparat-Organizer-Telefon-Mini-Computer”  , genannt Smartphone .  Spätestens  aber seit der Weiterentwicklung von der niedlichen Super Mario Nintendo Konsole zur Assassin’s Creed Unity , mit Systemanforderungen, die die gesamte NASA für die Mondlandung von Apollo 11 nicht zur Verfügung hatte, verstand ich auf einmal nur noch Bahnhof.

Nach wie vor begeistert mich jede Neuerung mit der Option für mehr Musik, mehr Bücher, mehr Filme, mehr Shopping, bessere Bilder und einfachere Kommunikation . Leider ist es keine Liebe mehr auf Gegenseitigkeit . Nicht nur die Geräte selbst sondern auch die Programme und Anwendungen reagieren unwirsch auf alle Annäherungsversuche meinerseits..
Spotify spricht nur in Rätseln , WordPress fremdelt und Facebook macht was es will. Das sind jedoch noch die umgänglicheren Kandidaten .  Windows 10 ignoriert herzlos weiterhin alle Verständigungsversuche und auch den Drucker , seit ich damit gedroht habe, es wieder zu deinstallieren  und mein neuestes Samsung scheint mich zu hassen.

Gestern verlor ich bei dem Versuch, die Einstellungen zu personalisieren alle Telefonkontakte aber dafür ist die Betriebssprache nun Dänisch. Eigentlich genug Spass für einen Tag doch ich beschloss noch eins drauf zu setzen. Einen Besuch im Media Markt.
Der Fernseher war kaputt und der Kundendienst konnte für das Überleben dieses analogen Dinosauriers nichts mehr tun. Er empfahl mir den Umstieg auf ein internetfähiges Gerät, HbbTV.
Was das jetzt wieder genau bedeuten sollte , wussten die Götter . Wieder einmal fühlte ich mich ziemlich verloren in einer digitalen Welt, die sich jedes Mal komplett neu erfand, sobald ich auch nur ansatzweise verstanden hatte, wie sie funktioniert.

Wie ein begossener Pudel stand ich nun also im Media Markt, wusste immerhin vage, was ich wollte : Einen neuen Fernseher mit riesen Bildschirm , der mit dem häuslichen Netzwerk kommuniziert und dessen Aufnahmefunktion ich bedienen könnte ohne ein paar Semester Elektrotechnik studiert zu haben. Ein Gerät, das ich selbst anstöpseln könnte und natürlich dieses HbbTV Dings, das wollte ich auch.

Der  freundliche Verkäufer, dem ich versucht hatte zu erklären, was ich gerne hätte, deutete  mein hilfloses Nicken als Aufforderung, mir weiter die Unterschiede zwischen LCD und Plasma, die Bedeutung von Panelauflösung und Pixel zu erläutern und  natürlich dieses HbbTV Dings. Bei mir kam jedoch nur an : „Rhabarber, Rhabarber,  Bildwiederholfrequenz, Rhabarber, Scart Eingang, HCDP Fähigkeit , Rhabarber …und  schliesslich irgendwann am Ende seines Vortrages   …..“für Sie bestens geeignet. „

Jetzt nur keine Schwäche zeigen. Ich schenkt ihm mein strahlenstes Lächeln, deutete entschlossen auf eines der Geräte : „Danke für die tolle technische Erläuterung. Dies hier hat mich überzeugt. Kennen Sie sich eigentlich auch so gut mit Handys aus ? Ich hätte da nämlich ein kleines Problem…. „

Zufrieden beobachtete ich später auf dem Parkplatz , wie der Fernseher in mein Auto verladen wurde.  Besagtes Modell hatte mich überzeugt, weil es einen Aufsatz an der Konsole hatte , den meine Katze als Schlafplatz lieben würde und weil ich die Farbe des Gehäuses ansprechend fand.  Mein Handy sprach endlich wieder Deutsch mit mir . Der Rest würde sich finden. Wäre ja gelacht… 😉

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