Kreativität

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Kreativität ist bis ins hohe Alter möglich. Mit 71 Jahren übernahm Michelangelo die Bauleitung des Petersdoms, mit 73 schrieb Kant die «Metaphysik der Sitten», mit 77 Fontane den «Stechlin», und mit 81 Jahren schloss Goethe seinen «Faust II» ab.

«Kreativität» ist ein denkwürdiges Wort, das heute für Vielerlei verwendet wird. Ursprünglich stammt es aus dem theologischen Bereich und meinte, das Schöpferhandeln Gottes nachzuahmen. So wie Gott, der Creator, den Makrokosmos hervorgebracht hat, so sollte der Mensch – als Gottes Ebenbild – einen eigenen Mikrokosmos gestalten, nämlich «schöpferisch» ein eigenes Werk schaffen. Seit dem 18. Jahrhundert verstehen wir kreative Prozesse als Ausdruck von Subjektivität oder Individualität. Das Werk dient nun als Spiegel, in dem wir uns wahrnehmen und reflektieren und unsere Einstellung zur Welt darstellen.

Das Neue und die Kombinatorik
Kreativität zielt auf das Neue. Mit der Erfindung des Neuen muss aber auch das Alte zugleich miterfunden werden, denn nur in dieser Polarität wird das Neue fassbar. Auch das Neue hat einen theologischen Hintergrund: Das Neue Testament, der Neue Mensch, der Neue Bund, das Neue Jerusalem usw. verweisen auf das Neue als das ganz Andere, Fremde, Zukünftige.
Wie entsteht aber das Neue? Durch die (neue) Kombination alter, bekannter Elemente. Es sind die unterschiedlichen Kombinationen vorhandener Dinge, die das Neue entstehen lassen, so etwa durch die Verbindung verschiedener Töne zu einer unverwechselbaren, neuen Klanggestalt in der Musik. Kreatives Handeln bedeutet eigentlich kombinatorisches Denken und Handeln, das im Gegensatz zum linearen Denken steht, das nur den Schritt von einem Punkt zum anderen kennt.
Wie können kombinatorische Fertigkeiten gefördert werden? Durch das Spiel. Der Homo ludens, der spielende Mensch, bringt im Spiel neue Verbindungen und neue Bedeutungen hervor.

Entscheiden und integrieren
In der zweiten Lebenshälfte werden andere Entscheidungen erforderlich sein als in den früheren Jahren. Und es müssen andere Erfahrungen, auch Verlusterfahrungen oder Schicksalsschläge, in die Biografie integriert werden. Diese andersartigen Entscheidungen und neuen Erfahrungen erfordern einen kreativen Umgang, der imaginär in Spielsituationen  erprobt werden kann. Entscheidend ist dabei, wie es gelingt, Herausforderungen und Schwierigkeiten so zu behandeln, dass sie angenommen werden können. Dies setzt eine kreative Haltung voraus.

Es ist deshalb kein Zufall, dass in den Residenzen von TERTIANUM alles getan wird, um möglichst lange die Kreativität der Bewohner zu fördern – durch Spiel, durch  Kulturprogramme, durch Gespräche und Begegnungen. Das kreative Alter ist eine Möglichkeit, das eigene Leben zu bereichern und manchmal auch die Gesellschaft voran zu bringen. Dieses war bislang zumeist ein Vorrecht der Jüngeren, jetzt sollte es – angesichts der demografischen Entwicklung – auch eine Aufgabe der Älteren werden. Diese Position vertreten wir bei
TERTIANUM.

 

 

 

 

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