Eigenheim – für viele ein Traum auf Zeit

Bild eines Einfamilienhauses

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22 Prozent der Schweizer Haus- und Wohnungsbesitzer möchten nicht bis ins hohe Alter in ihrer Immobilie wohnen bleiben. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Sprachregionen: Die Tessiner hängen stärker an ihrer Immobilie als die Deutschschweizer.

Für viele ist es der Lebenstraum: Das Eigenheim, wenn möglich mit Garten und Terrasse. Rund 37 Prozent der Schweizer haben sich diesen Traum erfüllt und besitzen ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Nur: möchten die Besitzer tatsächlich bis ins hohe Alter in ihrer Immobilie wohnen bleiben?

Eine repräsentative Studie von GfK im Auftrag von comparis.ch zeigt: Für jeden fünften Eigenheimbesitzer ist die gekaufte Wohnung oder das gekaufte Haus nur eine vorübergehende Bleibe. Sie möchten irgendwann wieder umziehen. Rund die Hälfte von ihnen rechnet damit, das Haus oder die Wohnung noch zwischen 5 und 15 Jahren zu bewohnen. Bei einem Drittel der Umzugswilligen handelt es sich dabei um konkrete Pläne für den Umzug. Befragt wurden im letzten November 1250 Wohneigentümer zwischen 18 und 74 Jahren in der ganzen Schweiz. Marc Parmentier, Banken-Experte von comparis.ch rät, sich schon beim Erwerb eines Eigenheims Gedanken zu machen, wie lange man dieses bewohnen möchte. «Man sollte sich schon früh über den Finanzierungshorizont klar werden, wenn man seine Hypothek nicht plötzlich zu ungünstigen Konditionen aufkünden möchte.»

Umzugsgrund: Kinder werden flügge
Der häufigste Grund für die Umzugspläne der Eigenheimbesitzer ist die Änderung der Familiensituation: Wenn die Kinder ausziehen, wird das Haus oder die Wohnung zu gross. Aber auch Altersgründe oder Krankheit, der Aufwand für die Pflege der Immobilie, oder der Wunsch nach einem Ortswechsel führen dazu, dass Eigenheimbesitzer einen Umzug ins Auge fassen. Bemerkenswert ist, dass nur 2 Prozent angeben, dass eine zu hohe finanzielle Belastung dazu führen könnte, dass sie noch einmal umziehen werden.

Dass die Familiengrösse und damit einhergehend der Raumbedarf eine gewisse Rolle spielt beim Auszug aus dem Eigenheim, zeigt auch folgender Fakt: Über zwei Drittel der Hausbesitzer mit Umzugsplänen würden als neue Bleibe eine Wohnung und nicht mehr ein Haus wählen. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass Wohnungsbesitzer ihrem Eigenheim eher treu bleiben als Haus-besitzer: 74 Prozent möchten bis ins hohe Alter in ihrer Wohnung bleiben – bei den Hausbesitzern sind es nur 67 Prozent. Interessant ist auch: einmal Eigentümer, immer Eigentümer. Die meisten Umzugswilligen möchten nach dem Umzug aus den eigenen vier Wänden nicht zum Mieter werden: 69 Prozent würden wieder eine Immobilie kaufen.

Ideal für einen Lebensabschnitt
«Der Traum vom Eigenheim ist heute für viele ein Traum auf Zeit», erklärt Banken-Experte Marc Parmentier. «Das trifft besonders auf Hausbesitzer zu: Wenn die Kinder noch daheim wohnen und der Unterhalt des Hauses noch keine Mühe macht, ist ein Haus ideal. Sobald die Kinder ausgezogen sind und der Unterhalt mit dem Alter mühsam wird, rückt der Wunsch nach einer Wohnung in den Vordergrund.»

Dass die finanzielle Belastung kaum ein Grund ist für den Verkauf einer Immobilie, ist für Parmentier nicht erstaunlich: «Wir befinden uns in einer Tiefzinsphase – schon eine 10-jährige Festhypothek über 600‘000 Franken ist für unter 900 Franken pro Monat zu haben.» Das ist auch mit eine Erklärung, warum die Besitzer nach dem Verkauf ihrer Immobilie nicht zu Mietern werden wollen: «Ausserdem ist mit dem Verkauf des Hauses das nötige Kapital für eine Eigentumswohnung vorhanden.»

Tessiner hängen am stärksten an ihrem Eigenheim
Für die meisten Besitzer ist das Eigenheim aber immer noch mehr als nur eine temporäre Wohngelegenheit: 69 Prozent möchten bis auf weiteres in ihrer Immobilie wohnen bleiben. Die treuesten Eigenheimbesitzer sind die Tessiner: 84 Prozent geben an, dass sie bis ins hohe Alter in ihren vier Wänden wohnen bleiben möchten. Bei den Romands sind es immerhin 75 Prozent und bei den Deutschschweizern noch 66 Prozent.

Tieferes Einkommen, festere Bindung ans Eigenheim
Auch das Alter hat einen grossen Einfluss auf die Einstellung zum Eigenheim. Generell gilt, je älter der Eigenheimbesitzer, desto eher möchte er in seinem Haus oder in seiner Wohnung bleiben. Bei den 18- bis 39-Jährigen geben 60 Prozent an, dass sie bis ins hohe Alter in ihrer Immobilie bleiben möchten, bei den 40- bis 54-Jährigen sind es bereits 62 Prozent und bei den 55- bis 74-Jährigen gar 80 Prozent. Ausserdem spielt auch das Einkommen eine Rolle beim Entscheid, das Eigenheim zu halten oder zu verkaufen. Eigenheimbesitzer mit relativ kleinem Einkommen schmieden weniger oft Umzugspläne als Vielverdiener. «Mit einem kleinen Einkommen sind die Möglichkeiten beschränkter, ein anderes Objekt zu erwerben», sagt Marc Parmentier. «Ausserdem ist es nicht gewährleistet, dass man eine laufende Hypothek problemlos und zu guten Konditionen ablösen und auf ein anderes Objekt übertragen kann.»

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