Was man(n) rund um diese Drüse wissen muss

Teil 4 – PROSTATA – DIE KASTANIE DES MANNES

VON DR. MED. THOMAS WENDEL UND KURT AESCHBACHER

Illustration: sigelwerbung.ch

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Die Prostata ist ein Männerorgan, hat die Grösse und die Form einer Kastanie und liegt anatomisch unter der Harnblase.

Die Aufgabe der Vorsteherdrüse, wie die Prostata auch genannt wird, ist die Bildung eines vom ph-Wert her sauren milchig trüben Sekrets, welches das Sperma verflüssigt und zudem Spermin enthält, ein Stoff, der die Erbinformation (DNA) der Spermien schützt. Dieses Prostatasekret macht etwa 30 Prozent der Spermamenge aus.

Aufgrund ihrer anatomischen Lage funktioniert diese Drüse wie ein Mischventil. Kurz gesagt: Harn und Spermien durchqueren die Prostata, denn die Harnröhre führt in ihrem oberen Teil zuerst durch diese Drüse, bis sie dann in den Penis mündet.

Die Prostata macht nahezu jedem Mann im Laufe seines Lebens Probleme, sei es die gutartige Prostatavergrösserung, die Entzündung der Prostata (Prostatitis) oder das Prostatakarzinom.

Gutartige Prostatavergrösserung:
Die «benigne (gutartige) Prostatahyperplasie» ist kein Krebs, meist harmlos, kann aber für den Betroffenen sehr lästig sein. Diese gutartige Wucherung des Gewebes der Prostata führt zu Problemen beim Wasserlassen: Die Entleerung erfolgt erst verzögert. Ein anderes Symptom ist häufiger Harndrang, besonders nachts. Etwa zwei von zehn Männern im Alter ab etwa fünfzig leiden unter dieser Belastung.

Wenn Sie nachts mehrmals auf die Toilette müssen, besteht der Verdacht auf eine vergrösserte Prostata. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über etwaige Therapiemöglichkeiten. Helfen können ein Beckenbodentraining oder Medikamente, durchaus auch auf Basis der Naturheilkunde.

Prostataentzündung:
Etwa die Hälfte aller Männer sind im Laufe ihres Lebens mit einer Entzündung der Prostata konfrontiert, wobei wir zwischen einer akuten und einer chronischen Entzündung unterscheiden. Eine Prostatitis sollte zügig behandelt werden. Haben Sie keine Scheu, mit Ihrem Hausarzt oder Urologen über ein «Brennen beim Wasserlassen» zu sprechen: Ein klares Indiz, dass möglichst rasch etwas unternommen werden sollte.

Prostatakarzinom:
30 Prozent aller Krebsdiagnosen beim Mann entfallen auf das Prostatakarzinom und es ist damit die häufigste Krebserkrankung beim Mann überhaupt. Über 6000 Männer erkranken in der Schweiz pro Jahr an diesem «Männerkrebs». Über 1300 sterben daran. Heimtückisch am Prostatakrebs ist, dass er im Anfangsstadium keine Beschwerden verursacht. Deshalb ist die Früherkennung ein wichtiges Thema. Was bei den Frauen selbstverständlich ist, nämlich regelmässige Vorsorgeuntersuchungen, ist bei vielen Männern immer noch ein Tabu. Vielleicht, weil es um den Intimbereich geht. Oder weil die Männer Angst vor Impotenz oder Inkontinenz haben.

Dies ist aber kein Grund, sich um den Gang zum Hausarzt zu drücken. Nur so lässt sich eine fatale Entwicklung vermeiden. Denn nicht jeder Prostatakrebs muss therapiert werden, wie Prof. Franz Recker von der Stiftung für Prostatavorsorge schreibt. Gewisse Formen wachsen extrem langsam. Um jedoch einen  therapiebedürftigen
Krebs rechtzeitig zu erkennen, muss man(n) sich regelmässig untersuchen lassen.

Risikofaktoren können eine genetische Veranlagung sein. Ein Mann, dessen Vater oder Bruder und eventuell sogar weitere Verwandte an dieser Krankheit leiden, muss von einem massiv höheren Krebsrisiko ausgehen.

Weitere Faktoren, welche die Entwicklung eines Prostatakarzinoms beeinflussen, sind die Ernährung, das Rauchen, mangelnde Bewegung oder ein Vitamin D-Mangel. Die Sonne, mediterrane oder asiatische Kost und viel Bewegung scheinen einen positiven Einfluss auf die Risiken zu haben.

Die Früherkennung sollte im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen bereits ab dem 45. Lebensjahr beginnen. Nur wenn das Karzinom frühzeitig erkannt wird, also auf das Drüsengewebe beschränkt ist und keine Tochtergeschwülste gestreut hat, ist eine vollständige Heilung möglich. Die Vorsorgeuntersuchung mit einem PSA Test und das Abtasten der Prostata vom Darm her durch einen erfahren Hausarzt helfen, eine Erkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren.

Potenzstörung – ein halber Mann?
Das Thema Impotenz, die erektile Dysfunktion, ist leider nach wie vor weitestgehend tabu. Die Prostata hat aber nichts mit dem Sexualleben, der Potenz oder Erektion zu tun. Daran sind nur die feinen Nervenbündel hinter der Prostata beteiligt. Studien besagen, dass etwa die Hälfte aller Männer jenseits des 40. Lebensjahres zeitweilig mit einer Potenzstörung zu kämpfen haben. Wir unterscheiden zwischen körperlichen und seelischen Ursachen. Bei einem Drittel spielt tatsächlich die Psyche die Hauptrolle.

1998 wurde erstmals der Wirkstoff «Sildenafil» zugelassen und erlangte mit dem Handelsnamen «Viagra» Berühmtheit. Heute haben wir in der Schweiz neben Viagra zwei weitere Potenzmittel verfügbar, Cialis und Levitra. Nach der Einnahme tritt die Wirkung etwa nach 30 Minuten bis nach einer Stunde ein und hält vier bis fünf Stunden an. Alle drei Produkte wirken jedoch nur durch sexuelle Reizung, Nebenwirkungen sind bei etwa zehn Prozent Kopfschmerzen und Gesichtsröte. Bitte sprechen Sie offen mit Ihrem Hausarzt und/oder Facharzt für Urologie über Potenzstörungen, alle drei Medikamente sind verschreibungspflichtig. Wir raten dringend davor ab, Präparate über das Internet zu bestellen, da es sich meist um Fälschungen mit unklaren Inhaltsstoffen handelt.

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