Er gluckert, knurrt, brodelt und meldet sich zu Wort

Teil 3 – der Darm

VON DR. MED. THOMAS WENDEL UND KURT AESCHBACHER

Illustration: sigelwerbung.ch

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Der Darm verdaut, fordert Nachschub, meldet ein dringendes Bedürfnis. Von seiner Arbeit bekommen wir mehr mit als von der jedes anderen Organs.

Der König der Tiere, der Löwe, ist ein reiner Fleischfresser und hat einen relativ kurzen Darm, da Fleisch prinzipiell leicht verdaut wird. Reine Pflanzenfresser wie Kühe, die sogar mehrere Mägen haben und sogenannte Wiederkäuer sind, haben einen langen Darm, da Pflanzenfasern viel Zeit benötigen, um verdaut zu werden. Der Mensch ist ein «Allesfresser » und liegt von der Darmlänge her in der goldenen Mitte zwischen Löwe und Kuh. Sprich der menschliche Darm ist nicht primär nur für pflanzliche Nahrung eingerichtet.

Der Darm ist ein Schwerarbeiter
Etwa 70 Stunden dauert die Reise von Verwertbaren von der Speiseröhre bis zum Gang aufs Klo. Dank einigen 100 Millionen Muskelzellen, die sich ständig kontrahieren und entspannen, schiebt der Darm das Essen durch seine vier bis fünf Meter Länge. 100 Millionen vor Ort sitzende Nervenzellen steuern diese Kraftarbeit eigenständig – das sind mehr Nervenzellen, als sie das Gehirn besitzt. Der menschliche Darm teilt sich auf in drei Abschnitte. Im Anschluss an den Magen finden wir das Duodenum, den Zwölffingerdarm mit einer Länge von zwölf aneinandergereihten Fingern, hier münden die Gänge der Galle und der Bauchspeicheldrüse ein. Der anschliessende Dünndarm hat eine Länge von etwa drei Metern, hier findet die eigentliche Verdauung und der Stoffwechsel statt. Im Dickdarm, der ein bis zwei Meter lang ist, findet vor allem die Rückgewinnung von Wasser statt und Abfallprodukte werden in Kot umgewandelt und dann im Enddarm bis zur Ausscheidung «gelagert». Tiere wie Menschen verdauen oder besser «verstoffwechseln» die aufgenommene Nahrung und trennen diese in Vitalstoffe und Abfallstoffe, die wir über den Kot ausscheiden.

Der Darm denkt mit
Die Verdauung findet unbewusst durch das vegetative Nervensystem statt. Das Gehirn und der Darm spielen so zusammen, dass wir Verdauungsvorgänge nicht steuern können. Der Mensch holt sich aus der aufgenommenen Nahrung alle Vitalstoffe heraus, die er zum Überleben braucht. Wir können unserem Darm nicht bewusst sagen: «jetzt verdaue», alles läuft unbewusst ab. Bis zum Punkt, wenn sich der Enddarm meldet und der Gang aufs Klo unmissverständlich verlangt wird. Auch wenn die Grundausstattung in Sachen Verdauung bei jedem Menschen gleich ist: Identisch ist die Arbeit des Darms bei keinem. Denn bei manchen arbeitet er hocheffizient. Ihm gelingt es, aus dem letzten Schnipsel Verwertbarem noch Reserven für seinen Dienstherren zu ziehen. Der ist darüber nicht immer dankbar, denn er setzt schneller Fett an als andere, die essen können, was sie wollen, ohne davon etwas auf der Waage zu spüren.

200 Quadratmeter Verdauungsfläche
Bei allen Säugetieren entstehen bei der Verdauung Darmgase durch Gärung und Bakterien, die der Mensch auf zwei Wege loswerden kann. Der grösste Teil wird vom Darm an das Blut abgegeben und über die Lungen ausgeatmet …Der Rest wird rektoanal als Wind abgegeben. Das heisst, wir pupsen oben und unten.

Der menschliche Darm hat ausgebreitet die Fläche von etwa 200 Quadratmeter, was einem Tennisfeld entspricht. Die Darmzotten nehmen während des Verdauungsvorgangs sämtliche Vitalstoffe, von Vitaminen, Spurenelementen und Aminosäuren hin zu Proteinen und Kohlenhydraten, auf.

Im Darm sitzen aber auch fast 80 Prozent aller Immunzellen des Körpers und die Immunzellen werden von etwa zwei Kilogramm Darmbakterien richtig in Schach gehalten und für den Ernstfall trainiert. Denn pathogene, schädliche Keime müssen im Darm täglich eliminiert werden.

Wir unterscheiden im Darm zwischen den «guten» und den «schlechten» Bakterien. Die guten sorgen dafür, dass sich die krankheitserregenden Mikroorganismen nicht im Übermass vermehren. Antibiotika stellen für die Darmbakterien ein wahres Fukushima dar, denn eine antibiotische Therapie tötet sowohl die krankmachenden als auch die nützlichen Bakterien und das Darmmilieu «kippt» völlig um.

Auf der ganzen Welt somatisieren die Menschen ihre eigenen Probleme von sich weg. Sie projizieren ungelöste Schwierigkeiten auf den Lebenspartner (führt am Ende zur Scheidung), auf die Haut (führt zu Neurodermitis) oder in den Bauch, was zu Reizdarm führt. Die Reizdarmsymptome Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Verdauungssystems und sind oft somatisch bedingt.

Was tut dem Darm gut?

  • Essen Sie fettarm.
  • Verzichten Sie völlig auf gepökelte Lebensmittel.
  • Gönnen Sie Ihrem Darm manchmal eine Pause und praktizieren Sie «dinner cancelling», also essen Sie nach 17 Uhr nichts mehr, sondern trinken nur mehr Tees.
  • Bewegen Sie sich ausreichend an der frischen Luft, beim Sport wird der ganze Körper inklusive Darm durchblutet.
  • Essen Sie ausgewogen. Sehr gut für den Darm ist der Ballaststoff «Inulin», der in Artischocken, Knoblauch, Spargel und Zwiebeln vorkommt, sowie heimische Äpfel, Birnen, Quitten und Trauben.

Die wichtigsten Darmerkrankungen

DURCHFALL
Beim Durchfall verlieren wir sehr viel Wasser und lebensnotwenige Elektrolyte und hier gilt: viel Trinken! Wir müssen die Flüssigkeit, die wir verlieren, unbedingt wieder zu uns nehmen, sei es in Form von Tees, Wasser oder Elektrolytlösungen. Als Medikamente gegen Durchfall eignen sich nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt das Präparat Loperamid und Kohletabletten, die Bakterien und Keime wie ein Schwamm aufsaugen.

VERSTOPFUNG
Von Verstopfung sprechen wir, wenn der Mensch weniger als drei Stuhlgänge pro Woche hat. Hier helfen oft die Umstellung der Ernährung, Bewegung und die reichliche Aufnahme von Flüssigkeit (bis zu drei Liter am Tag). So wird der Kot dünnflüssiger, da er durch das „lange Stehen“ eingedickt ist. Bei chronischer und dauerhafter Verstopfung holen Sie sich bitte ärztlichen Rat.

COLITIS ULCEROSA
Hier handelt es sich um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die den Dickdarm und den Enddarm betrifft. Sie ist durch oft blutige, schmerzhafte Durchfälle mit einer Frequenz von bis zu 40 Mal täglich gekennzeichnet.

MORBUS CROHN
Dies ist eine Autoimmunerkrankung, welche die Schleimhaut von der Mundhöhle bis zum After betrifft. Sie ist durch Schübe von Fieber, blutigen Durchfällen und Bauchschmerzen gekennzeichnet.

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