Die Bandscheibenerkrankung – ein Volksleiden

bandscheibeBandscheibenerkrankungen betreffen heute fast jeden Menschen. Neue Techniken im Bereich der Bandscheibenprothetik bieten dem Patienten einen Gewinn an normaler Lebensqualität, die ihn den Alltag bewältigen lässt.

Von Prof. Dr. med. PhD Burkhard Rischke

Bandscheibenvorfall ist Folge von Verschleisserscheinungen
Die Bandscheibe erfüllt eine zentrale Funktion innerhalb des Bewegungsapparates: Sie dient sowohl als elastisches Drehzentrum wie auch als Abstandhalter, um die normalen Druckverhältnisse in den Wirbelbogengelenken zu gewährleisten. Eine Bandscheibe setzt sich aus einem weichen Knorpelkern und einem, den Kern umgebenden Bindegewebe-Faserring zusammen. Für grösstmögliche Flexibilität besteht ihr Gallertkern zu einem hohen Anteil aus Wasser und ist visko-elastisch, das heisst, bei zunehmender Belastung nimmt der Steifigkeitsgrad durch die Fähigkeit, Wasser zu speichern, zu. Die Fähigkeit zur Wasseraufnahme nimmt aber schon mit 20 Jahren kontinuierlich ab. Mögliche Folgen sind Verschleisserscheinungen wie Einrisse in der Bandscheibe. Bei einem Bandscheibenvorfall drängt Gewebe aus dem Bandscheibenring heraus. Einige dieser Vorfälle verursachen keine Schmerzen und bleiben unbemerkt, andere dagegen drücken auf Nervenwurzeln und verursachen starke Schmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen.

Bandscheibenvorfall häufigster Grund für neurochirurgische Operation
In den meisten Fällen reichen konservative Methoden, Schmerztherapie, Physiotherapie und Muskelaufbautraining aus, um die Symptomatik zu verbessern oder ganz zu beseitigen. In einigen Fällen bleibt aber nur eine Operation als letzte Option. Etwa 20 Prozent aller Patienten mit Bandscheibenvorfall entwickeln chronische Beschwerden oder Nervenstörungen, die operativ behandelt werden müssen.

Künstliche Bandscheibe der neuesten Generation
Der langfristige Erfolg der klassischen Bandscheibenoperation, bei der das erkrankte Bandscheibengewebe mikrochirurgisch oder endoskopisch entfernt wird, ist durch überschiessende Narbenbildung, Rezidiv-Bandscheibenvorfälle oder durch den Funktionsverlust des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes infolge des entfernten elastischen Bandscheibengewebes gefährdet. Alternativ kann heutzutage bei geeigneten Patienten die geschädigte Bandscheibe durch eine Bandscheibenprothese ersetzt werden. Ziel ist es, die normale Funktion der Wirbelsäule wiederherzustellen. Die Prothese soll die Wirbelsäule stabilisieren, ihre Beweglichkeit erhalten und die ursprüngliche Bandscheibenhöhe wiederherstellen, sodass die Wirbelgelenke wieder in ihre natürliche physiologische Position gelangen und beengte Nervenbahnen befreit werden. Mit der viskoelastischen Bandscheibenprothese steht jetzt eine Bandscheibenprothese der neuesten Generation zur Verfügung, die die natürliche Bandscheibe so weit wie möglich imitiert und den Patienten die Chance bietet, ihre volle Beweglichkeit und Belastbarkeit dauerhaft wiederzugewinnen. Grundsätzlich sollten vor der Entscheidung für eine Prothese alle konservativen Massnahmen wie Schmerzmedikation und Physiotherapie über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten ausgeschöpft worden sein.

Prof. Dr. med. PhD Burkhard Rischke ist Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates und spezialisiert auf Wirbelsäulenchirurgie. Prof. Rischke ist Belegarzt der Klinik Pyramide, www.pyramide.ch, und führt eine eigene Praxis in Zürich, www.spine-center-rischke.ch.

 

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