Der Grüne Star: gefährlich, aber behandelbar

Prof. Dr. med. Milko IlievDer Grüne Star hat mehrere Krankheitsformen und kann in jedem Alter auftreten. Dieser kann erfolgreich unter Kontrolle gehalten und operiert werden, falls er rechtzeitig entdeckt wird.

Das Glaukom (auf Deutsch: Grüner Star) ist zwar typisch für das erwachsene Alter ab 40, kann aber in seltenen Fällen auch früher auftreten. Es handelt sich um eine Fehlregulation und einen Anstieg des Augeninnendrucks. Dieser zu hohe Druck schädigt den Sehnerv, seine Nervenfasern gehen zugrunde, und im schlimmsten Fall kann der ganze Sehnerv absterben, was zur Erblindung führt.

Für die Funktion des Auges ist ein normaler Innendruck (Tonus) notwendig. Im Inneren des Auges zirkuliert das sogenannte Kammerwasser, das ständig produziert wird und gleichmässig durch ein System von Mikrokanälen abfliesst. Beim Grünen Star ist der Abfluss gestört, das Kammerwasser staut zurück und der Innendruck steigt gefährlich an. Der Grüne Star ist eine chronische Krankheit, die langsam auftritt. Das Besondere dabei ist, dass es keine Warnsymptome gibt. Der/die Betroffene empfindet keinen Schmerz, das Auge (es sind meistens beide Augen betroffen) ist äusserlich reizlos und unauffällig, das Sehen, so wie im Alltag empfunden, ist zunächst nicht gestört. Deswegen sind prophylaktische Augenuntersuchungen für eine Früherkennung ausschlaggebend.

Es gibt keine einheitliche Ursache für das Glaukom. Wir sprechen von Risikofaktoren. Alter ab 40, familiäre Belastung (Glaukom in der Verwandtschaft), hohe Kurzsichtigkeit, allgemeine oder lokale Behandlung mit Kortison-Präparaten, Augentrauma oder Augenoperationen in der Vergangenheit – jeder von diesen Zuständen erhöht das Risiko, an Glaukom zu erkranken. Das Glaukom hat zudem viele verschiedene Formen: mit dauerhaft hohem Augendruck, mit nur zeitweise schwankendem Augendruck, mit einem weiten oder mit engem Kammerwinkel, mit Kapselhäutchen oder mit Pigmentdispersion. Daher reicht die reine Druckmessung nicht aus, um diese auseinanderzuhalten.

Es muss der ganze Komplex (Hornhaut, Kammerwinkel, Sehnerv, Gesichtsfeld) untersucht werden. Das hat Auswirkungen auf die korrekte Behandlung und auf die Prognose. Der Grüne Star ist gut behandelbar, wenn er frühzeitig entdeckt wird. Man kann mit Augentropfen den Augendruck normalisieren und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, gar anhalten. Man kann den drucksenkenden Effekt mit einer Laserbehandlung ergänzen. Manchmal reichen jedoch Tropfen und Laser nicht oder nicht mehr aus, da braucht es eine Operation. Bei der Operation wird ein neues Kanälchen präpariert oder ein kleines Röhrchen eingebaut, um den Abfluss des Kammerwassers wiederherzustellen.

Die moderne Mikrochirurgie erlaubt uns verschiedene, an das Krankheitsstadium und die Form angepassten Methoden zu verwenden. Die Erholungsphase ist zwar länger als zum  Beispiel bei einer Graustar-Operation, doch ist man relativ schnell wieder zurück im Alltag. In den meisten Fällen sind nach der Operation keine Tropfen mehr notwendig, was von Vorteil ist. Man kann die Operation bei Bedarf wiederholen. Wichtig zu wissen ist, dass die einmal entstandene Sehnerv- und Gesichtsfeldschädigung beim Glaukom nicht mehr repariert werden kann. Deswegen ist der rechtzeitige Beginn einer Behandlung mit Tropfen oder mit einem Eingriff entscheidend. Es gilt das Prinzip «je früher, desto besser».

Prof. Dr. med. Milko Iliev
ist Facharzt FMH für Augenheilkunde und Augenchirurgie und ist auf die Behandlung des Grünen Stars spezialisiert. Er ist Belegarzt der Klinik Pyramide am See und führt eine eigene Praxis in Zürich.

www.praxis-m-iliev.ch
www.pyramide.ch

 

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