Von der Buchhändlerin zur Hotel-Restaurant-Direktorin

hauptManuela Haupt (57) – Die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. Mit der grössten Begeisterung erzählt Manuela Haupt von ihrem Traumberuf. «Wenn ich heute zurückschaue, gibt es nichts Extremeres, das ich machen konnte.»  Die 57-Jährige ist Direktorin des Hotel-Restaurants «Mont-Vully» in Lugnorre oberhalb vom Murtensee.

«Es hat mich irgendwie immer schon ins Gastgewerbe gezogen», erinnert sich Haupt. Aber wer weiss mit 16 schon, was er mal werden möchte? «Wir sind eine Verlegerfamilie. Es lag auf der Hand, dass ich wie mein Bruder und meine Schwester Buchhändlerin werde.» Dann kamen die Zwillinge Kim und Tim zur Welt, es folgte eine «20-jährige Babypause». Aber statt danach wieder in den alten Beruf einzusteigen, arbeitete Haupt 13 Jahre lang für den südafrikanischen Botschafter in Bern.

Immer wieder machte sich der Wunsch nach Veränderung breit. Immer mehr hatte sie das Bedürfnis, ihren «30-jährigen Traum» zu verwirklichen. Ein Betreiberwechsel in dem von ihrem Grossvater gegründeten Familienbetrieb stand an – die Chance für Manuela Haupt. Einen sechswöchigen Wirtekurs später war die ehemalige Botschaftssekretärin Direktorin eines Hotel-Restaurants. Fertig mit Wohlfühlzone: «Mein Körper und meine Psyche mussten sich auf einen 17-Stunden-Tag umstellen.» Schliesslich wollte sie dem Betrieb ein Gesicht geben.

Drei Monate später gipfelte ihr Effort in einer schweren Krise: «An einem Sonntag habe ich zu meinem Mann gesagt, ich packe das nicht mehr.» Der pensionierte Metallschlosser ordnete zwei Ruhetage an und berief eine Krisensitzungein. Aufhören oder weitermachen war die Frage. Haupt schöpfte neuen Mut und nahm nochmals einen Anlauf. «Nur weil mein Mann mir diese Tür offen gelassen hat, bin ich heute noch hier», weiss sie. Der Zusammenbruch ist nun vier Jahre her.

Ist es schwieriger, mit 50 nochmals neu anzufangen als mit 30? «Es ist sogar einfacher. Man hat mehr Lebenserfahrung. Und eine gewisse Gelassenheit kann man sich antrainieren», schmunzelt die Gastronomin. Das Wort «Pensionierung» ist ihr fremd. Solange sie gesund sei, mache sie weiter. Den Job würde Haupt mit niemandem tauschen wollen: «In welchem anderen Beruf bekommt man so viele Komplimente?»

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht.