Vom Koch zum Kurator – Roland «Tschiibii» Grossenbacher

Erschienen im 50plus Magazin, Ausgabe Februar 2015. Von Benedikt Lachenmeier

Ein roter Teppich führt in der alten Stickerei von Niederbüren die Treppe hoch. Hinter einer Tür beginnt die Verwirklichung des Lebenstraums von Roland Grossenbacher – ein eigenes Rock & Pop- Museum. Die Besucher erwartet ein audiovisueller Rundgang durch 90 Jahre Musikgeschichte.

kurrator

«Für so was musst du schon verrückt sein, wenn du nicht reich bist», schmunzelt der 65-Jährige. Seit 30 Jahren hat der Thurgauer, der am liebsten Tschiibii genannt wird, jeden Rappen in die Sammlung von Autogrammen oder Goldund Platin-Awards von Elvis, der Rolling Stones bis hin zu Michael Jackson investiert. Früher durften Interessierte die Liebhaberstücke in der Wohnung der Grossenbachers bestaunen. Der entscheidende Schritt zum Museum war die Erbschaft seines Onkels. Mit dem Geld kauften Tschiibii und seine Frau Uschi eine 45-teilige Gold- und Platin-Alben- Sammlung der Beatles. Dass diese einem grösseren Publikum zugänglich gemacht werden musste, lag auf der Hand. «Die Hardcore-Fans gehen vor ihr auf die Knie», wusste der Musikexperte. Doch fehlten ein passender Ort sowie das nötige Kleingeld. «Der Gemeindepräsident war der Erste, der daran glaubte. Er hat auch den Raum fürs Museum gefunden», erzählt Tschiibii. Nebst den Handwerkern, die zum Minimaltarif arbeiteten, waren beim Umbau 46 Helfer beteiligt, die über 1000 Stunden Freiwilligenarbeit leisteten.

Vor eineinhalb Jahren feierte Grossenbacher Eröffnung. Inzwischen zählt der Trägerverein 370 Mitglieder. Das Museum war gleichzeitig ein Neuanfang für Tschiibii. Als Prokurist sei er «langsam am Limit gelaufen». Mit 55 musste sich der gelernte Koch entscheiden, ob er nochmals Gas geben oder sich pensionieren lassen wollte. Er entschied sich für Zweites. Um ganz aufzuhören, fühlte sich Tschiibii aber noch zu jung. Also entschloss er, mit dem Museum endlich seinen Traum zu leben. «Ich bin ein absoluter Musikfreak und ein Kind der 60er-Jahre. Ich habe erlebt, welche gesellschaftlichen Veränderungen die Musik damals herbeigeführt hat», sagt er stolz. «Es geht auch um das Bewahren dieser Stars. Damit sie in Erinnerung bleiben.» Ob Hippie oder Bankdirektor: Die Besucher danken es ihm. «Schon mancher hat das Nastüchli hervorgeholt.» Sein persönlicher Dank gilt seiner Frau: «Ohne Uschi hätte ich es nie geschafft.»

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