Vom Finanzberater zum Samurai-Coach – Roland Mötteli

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Foto: LAURIDS JENSEN

«Ich habe immer daran geglaubt, dass es gut kommt», sagt der ehemalige Finanzberater Roland Mötteli. Immer mehr Menschen fangen in der Mitte des Lebens nochmals von vorne an und wagen den Schritt ins Ungewisse. Manchmal ist Vertrauen eben doch besser als Kontrolle.

Von Benedikt Lachenmeier

Statt über Sparmassnahmen philosophierte Roland Mötteli mit seinen Kunden lieber über das Leben. «Ich habe gemerkt, dass spezifische Begriffe wie SMI, Börse oder Hypothek ein komisches Gefühl bei mir im Bauch hervorrufen.»  Der Job habe ihm Energie abgezogen, erinnert sich der ehemalige Finanzberater. Ein Burnout war die Folge. Die Rückkehr in den Beruf war für ihn ausgeschlossen. Allerdings fragte sich Roland Mötteli: «Was willst du in deinem Alter noch machen?» Schliesslich war er bereits 56. «Ich hab gedacht, so ein Wechsel geht gar nicht. Ich habe eine Verpflichtung meiner Familie gegenüber.» Doch ausgerechnet seine Frau bewog ihn dazu, den Plan durchzuziehen.

Nach seinem Aufenthalt in einer ambulanten Klinik war er fest entschlossen, auszusteigen. Seine Arbeitskollegen überzeugten ihn aber, nochmals einen Anlauf zu nehmen. «Als ich zu Hause vom Gespräch erzählte, liefen mir die  Tränen herunter und meine Frau sagte: ‹Nein, du bleibst nicht›.» Die Familie zog um und verkaufte das Auto. Der Thurgauer tauschte Krawatte und Kittel gegen Gurt und Gi und wurde Samurai-Coach.

«Ich habe meine Berufung zum Beruf gemacht», schwärmt der 58-Jährige. Auf die Idee kam Mötteli durch die japanische Kampfkunst Shozindo, die er hobbymässig seit Jahren unterrichtet und bei der statt Wettkampf die Gesundheit im Zentrum steht. Das Ziel seiner Kurse sei, mithilfe von Techniken aus der Zen-Meditation, Yoga, Tai Chi, Qi Gong und Koordinationsübungen aus dem Shozindo das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist wieder herzustellen. «Wenn der Energiefluss im Körper unterbrochen ist, ist auch die Wahrnehmung unterbrochen», weiss Roland Mötteli aus eigener Erfahrung. Seinen Kursteilnehmern soll es besser ergehen als ihm selbst. «Ich möchte die  Leute abholen, bevor sie ein ärztliches Zeugnis verlangen müssen. Ich mache ihnen Mut, auf die innere Stimme zu hören. So wie ich das getan habe.» Den alten Job vermisse er keinen Augenblick. «Ich kann lustlos und schlapp und mit Kopfweh ins Trainingszentrum kommen und gehe wieder total frisch und fröhlich nach Hause.» Der Weg zu neuen Ufern brauche aber Vertrauen ins Leben – dass es schon gut kommt. «An das habe ich immer geglaubt.»

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