Die Kanada-Auswanderer – Katharina und Theodor Temperli

Aus dem 50plus Magazin, Februar 2015. Von Benedikt Lachenmeier

Alles zu seiner Zeit! Mit diesem weisen Spruch trösteten sich Katharina und Theodor Temperli über Jahre.

kanada

Seit ihrer ersten Reise durch Kanada träumten sie von einem Leben in der Wildnis. Doch irgendwie wollte es nie klappen. Drei Jahrzehnte später entdecken die beiden im Internet die zum Verkauf ausgeschriebene «Tetachuck Wilderness Lodge» in British Columbia. Das Paar fährt hin, fünf Tage später ist der Vertrag unterschrieben.

«Wenn einen das Kanada-Fieber packt, wird man es nicht mehr los», weiss der 60-Jährige nur allzu gut. Die Natur, die Grösse, die Freiheit faszinieren ihn. «Hier gibt es noch See- und Flussufer, die nicht verbaut sind.» Katharina ergänzt: «Das Schöne ist die Einsamkeit.» Die Lodge liegt am Rand des Tweedsmuir Provinzparks. In deren Umkreis von 100 km stehen weniger als zehn bewohnte Häuser. «Wenn ich aus dem Küchenfenster schaue und die Stimmungswechsel auf dem See erlebe, bin ich sofort wieder regeneriert», schwärmt die 61-Jährige. Diese Tatsache steht im klaren Gegensatz zu ihrer früheren Tätigkeit als Pflegefachfrau. Es sei die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben gewesen, die sie zu diesem Schritt bewogen hätte, erklärt der ehemalige Kellermeister.

«Hier sagt mir niemand, wann ich arbeiten muss.» 400 Übernachtungen verzeichnete die Lodge in der letzten Saison. Dabei handelte es sich meist um Gäste des deutschen Reisebüros, dem das Anwesen vorher gehörte. Kanadier kämen nur wenige, da diese den Wald ja vor der eigenen Haustüre hätten. Dafür machen Theodor und Katharina schon mal Bekanntschaft mit anderen Einheimischen, den Bären. «Zu Beginn haben wir sie vertrieben, jetzt geniessen wir es, sie zu beobachten», erzählt Katharina. «Die Bären fressen auf der Wiese Löwenzahn und lassen sich dabei nicht stören.» Den Winter verbringen die Wahlkanadier momentan noch in der Schweiz, um «Dinge zu erledigen». Schon bald wollen sie nur noch auf der Lodge leben. Ausser ihren beiden Söhnen und den Freunden vermissen sie in ihrer Heimat nichts. «Wir verschieben die Rückkehr in die Schweiz jedes Jahr um einen Monat», lacht Katharina. Dass der Traum vom Auswandern erst kurz vor der Pensionierung in Erfüllung gegangen ist, stört Theodor nicht. «Man darf nicht darüber nachdenken, ob es zu spät für einen Neuanfang ist.»

 

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