Das schönste Geschenk, ever <3

gutes-karma-to-goVon Bettina Marie Schneider

Seit meine Tochter im Ausland studiert, ist jeder Besuch von ihr ein kleines Fest für mich. Wir hatten immer einen guten Draht, der durch die Distanz eher noch gefestigt wurde.

Skype, Facebook, WhatsApp und Handy reichen heute bis in den hintersten Winkel der Welt. Wo ein Wille ist, da gibt es WLAN und Telefon. Mit etwas Glück machen die erwachsenen Kinder auch reichlich Gebrauch davon, und dann spielen Entfernungen keine Rolle mehr….

Im Übrigen werden mir viele Eltern erwachsener Kinder beipflichten, dass ein intensives und nettes  Gespräch via Skype wesentlich angenehmer ist, als die unfreundlichen Nörgeleien aus dem Kinderzimmer, weil man wieder einmal zur Unzeit ans Aufräumen oder an anstehende Aufgaben erinnert.

Allen Müttern, die bedauern, dass die Kinder so schnell groß werden und irgendwann das Haus verlassen, möchte ich versichern : Es wird anders wenn sie erwachsen sind, …nämlich noch besser 🙂.

Der letzte Besuch meiner Tochter fiel in eine Zeit, in der ich mehr oder weniger nonstop am Rechner irgendwelche Projekte auf den Weg brachte, am Blog bastelte oder an meinem Buch schrieb. Der alte PC brachte mich schier zur Verzweiflung.

Zum einen befinde ich mich in Sachen IT nach wie vor auf dem Niveau der Sesamstraße zum anderen war der Rechner genauso organisiert wie der Rest meiner Ablage… eigentlich gar nicht, und die meisten Dokumente und Bilder, die ich gerade suchte, waren unauffindbar im großen Daten Nirvana abgetaucht.

Mitten in eine dieser hektischen Suchaktionen platzte meine Tochter mit dem Wunsch, sie möchte gerne mit mir reden. Jetzt, sofort! Ich sollte den Rechner herunterfahren und mir 15 Minuten Zeit für sie nehmen. Wenig begeistert folgte ich ihrem Wunsch, schaltete den PC ab und wir setzten uns ins Wohnzimmer. Aktionen dieser Art endeten meist mit einer Mitteilung, die mir nicht sonderlich gefiel.

Das Himalaya Trekking letzten Sommer oder der Weihnachtstrip nach Singapur im Vorjahr wurden mir auch auf diese Weise nahe gebracht und während ich überlegte, ob es nun um eine weitere Abenteuer Fernreise gehen könnte, bei der ich wieder in schlaflosen Nächten auf ein Lebenszeichen warten würde oder ob sie mir vielleicht gleich eröffnen wollte, dass sie schwanger sei…reichte sie mir ein Päckchen und strahlte mich an.

“Für mich ? Warum ? Haben wir etwas zu feiern ?” Neugierig zog ich an der Geschenkschleife und öffnete den Karton. Liebevoll eingepackt befand sich darin…ein Laptop.

“Mach ihn auf”, drängelte sie vergnügt, und dann fing ich bereits das erste mal an zu weinen.

Mein Kind, das ansonsten gerne auch einmal genervt reagiert, wenn ich zum 1000. Mal die selbe dämliche PC Frage stelle und die sich im Großen und Ganzen nicht übermäßig für meine Arbeit interessiert…dachte ich jedenfalls…hatte mir den Laptop nicht nur geschenkt sondern ihn personalisiert, wie es liebevoller und detaillierter nicht möglich gewesen wäre.

Alles was ich brauchte, oder je brauchen würde, alles was mir gefällt, war bereits abgespeichert.
Lieblingsseiten, Musik, Bilder, Stores, Apps, Postfächer, Dateien, der Blog …. Nichts fehlte.

Sie hatte nicht nur sämtliche Passwörter gekannt oder geknackt, sie wusste genau, was ich wo, wie, wann, gerne benutze, welche Programme ich zum arbeiten brauche, zum Beispiel eine brandneue  Version von Word und sie hatte alle relevanten Daten heimlich von meinem Rechner gezogen, eingescannt oder kopiert.

Das Bild, das sie für das Display ausgewählt hatte, war ein Halloween Kürbis und irgendwie hatte sie im Desktop eingespeichert, dass jeden Tag eine kleine Notiz von ihr an mich erschien. Ich las die erste Notiz und begann hemmungslos zu weinen, zu lachen, wahrscheinlich ein bisschen von beidem.

Für Dich Mama, und für “Gutes Karma to go”, damit Du in Zukunft von überall arbeiten kannst. Viel Spaß mit dem neuen Laptop !

Es war nicht der Wert des Geschenks der mich so aus der Fassung brachte, obwohl auch dieser für eine Studentin große finanzielle Klimmzüge bedeutet haben musste.

Es war das wunderbare Gefühl, dass jemand mich mit allen Eigenheiten und Vorlieben sehr genau kennt.
Das tolle Gefühl, dass mir jemand einen Wunsch erfüllt hat, ehe ich ihn je ausgesprochen oder gar selbst gedacht habe.

Das  berührende Gefühl, dass jemand viel Zeit und Liebe investiert hat.
Dass jemand an mich glaubt und meine Arbeit unterstützt.
Mein Kind.

Wir feiern bei uns seit dem Ende des Kindergartens keinen Muttertag mehr. Ich finde solche aufgesetzten Pflichttage albern und fände es mehr als bedenklich, wenn es diesen Anlass bräuchte, mein Kind daran zu erinnern, der Mutter eine Freude zu bereiten oder Zeit mit ihr zu verbringen. Astrid Lindgren, deren Büchern mich als Erziehungsratgeber sehr inspirierten, sah das übrigens genauso.

Jedesmal wenn ich den Laptop öffne und mir die Notiz entgegen blinkt, dann ist für mich Muttertag hoch zehn und ich denke heimlich…

Alles richtig gemacht und …..riesen Glück gehabt 🙂

DANKE, meine Süße!

 

 

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