Weite und Enge im Schwarzenburgerland

schwarzenburg wanderungRecht unterschiedliche Landschaften prägen diese Rundwanderung auf markierter Route im Süden der Bundesstadt Bern: Das zumeist hügelige Schwarzenburgerland kennt auch Ebenen und Schluchten.

VON FRANZ AUF DER MAUR

Pferdesport wird gross geschrieben im Schwarzenburgerland. Und weil die Liebe auch durch den Magen geht, bietet das Restaurant «Schönentannen» – schon nach einer halben Stunde lockt hier die erste Versuchung zur Einkehr – als Spezialität Gerichte mit Pferdefleisch an. Möglicherweise spielt bei dieser Vorliebe auch die Nähe zum Kanton Freiburg eine Rolle, wo man «Rösser» fürs Leben gern verspei

st. Um das Thema Gastronomie gleich am Anfang abzuhandeln: Die Wälder rund um Schwarzenburg sind reich an essbaren Pilzen. Zu dieser frühen Jahreszeit freilich ist nicht gerade Saison für «Schwämme», aber man kann die Wanderung ja dann bis zum Herbst aufsparen.

Klage über Kurzwellen
Obwohl in der Regel recht hügelig, wartet das Schwarzenburgerland auch mit ausgesprochenen Flachgebieten auf. Eine dieser Ebenen erstreckt sich um Elisried östlich der  oppelsiedlung Schönentannen/Schönenbuechen. Die gemeinsame Erwähnung der beiden Pflanzenarten ist übrigens typisch für das Wandergebiet auf einer Meereshöhe zwischen 600 und gut 800 Metern: Hier bestehen die Wälder aus einer abwechslungsreichen Mischung von Nadel-und Laubbäumen. Bei Elisried stand während Jahrzehnten der Kurzwellensender Schwarzenburg mit seinen himmelhohen Gittermasten. Bei den Anwohnern war die inzwischen abgebrochene Anlage unbeliebt; manche klagten über gesundheitliche Störungen durch elektromagnetische Strahlung. Wo einst die Welt mit Radiosendungen versorgt wurde, gedeihen heute Beerenkulturen und weiden Lamas einträchtig neben Kühen.

Der Untergrund auf dieser Tour ist typisch für Wanderungen, die von einem Regionalzentrum ausgehen. Hauptstrasse – Nebenstrasse – Flursträsschen – Feldweg – Graspiste – Fusspfad. Gegen Ende des Tages wird diese Abfolge dann in umgekehrter Richtung auftreten. Beim Innerdorf von Elisried senkt sich die Route zuerst gemächlich und dann ordentlich steil gegen den Schwarzwassergraben hinunter. Anfänglich ist linker Hand noch die Kirche von Wahlern zu erkennen; wir werden sie in etwa einer Stunde erreichen. Vorerst aber wartet die Waldschlucht des Schwarzwassers mit ihren Sandsteinfelsen, die bei der schattigen Lichtung der Steiglenau erreicht wird. Den Fluss selber überschreiten wir nicht, wohl aber den hier einmündenden Schwarzenburger Dorfbach, der in seinem untersten Abschnitt Burgbach heisst. Nach dem Unwetter vom Juni 2010 hat ein Hochwasser den Fussgängersteg übers Schwarzwasser zur Steiglenau weggerissen.

Wehranlage auf Felsensporn

Das letzte Teilstück des Abstiegs  ist bei Nässe oder Schnee etwas heikel und verlangt Trittsicherheit … oder die Verschiebung des Unternehmens auf trockenere Tage. Problemlos  agegen der Anstieg zur Höhe über dem Westufer des Grabens, der übrigens, zusammen mit der benachbarten Senseschlucht, als Auenlandschaft von nationaler Bedeutung unter  Naturschutz steht. Von der Enge in die Weite: Nun öffnet sich der Blick zum Panorama der Berner Hochalpen mit Schreckhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau, flankiert von der Voralpenkette um Stockhorn und Gantrisch. Die Mineralwasserquelle von Ried war früher unter dem Namen «Schwarzenburger» als regionaler Durstlöscher bekannt und beim Wandervolk beliebt.

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Beliebt ist auch und noch immer die romantische Hügelkirche Wahlern, für Hochzeiten ein viel gebuchter Ort mit umfassender Weitsicht. Das näch

ste Gebäude unserer Rundwanderung um Schwarzenburg hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich: Die Ruine Grasburg auf einem Felsensporn über dem Sensegraben bildete einst eine imposante Wehranlage, deren Grösse sich anhand der Mauerreste noch erahnen lässt.

Im Mittelalter war sie zuerst Reichsfeste, kam dann an die Grafen von Savoyen und wurde von diesen schliesslich an Bern und Freiburg verkauft; bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft 1798 verwalteten die beiden Städte gemeinsam die Grasburg zusammen mit der dazugehörenden Herrschaft. In dieser Zeit wurde die Grasburg, ohne je erobert worden zu sein, wegen Baufälligkeit verlassen und zerfiel dann vollends, weil der weiche Sandstein auf exponierter Geländerippe schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt war.

Route
Schwarzenburg Bahnhof (792 m)—Schönentannen (803 m)—Elisried Innerdorf (800 m)—Ochsenweid (732 m)—Abstieg zum Schwarzwassergraben gegenüber der Steiglenau (639 m)—Aufstieg nach Ried (792 m)—Kirche Wahlern (837 m)—Steinhus (771 m)—Burgruine Grasburg (696 m)—Wart (782 m) — Schwarzenburg Bahnhof (792 m).

Wanderzeit
4 Stunden mit je 300 Metern Steigung und Gefälle.

Varianten
Zwischen Schwarzenburg Bahnhof und Schönentann das Postauto Richtung Riggisberg benutzen, erspart eine halbe Wanderstunde. Von der Kirche Wahlern direkt nach Schwarzenburg halten, erspart die letzte Wanderstunde.

Öffentlicher Verkehr
Berner S-Bahn S6 nach Schwarzenburg, Halbstundentakt.

Karten
Landeskarte der Schweiz 1 : 25 000, Blatt 1186 «Schwarzenburg». Landeskarte 1 : 50 000, Blatt 243 «Bern». Wanderkarte 1 : 50 000, Blatt 243 T «Bern»

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