Zwischen Natur und Wirtschaft

Zwischen Natur und WirtschaftDas Glarnerland war auf dem europäischen Kontinent die am frühesten und am dichtesten industrialisierte Region. Zeugen davon finden sich im ganzen Tal, so auch auf unserer heutigen Tour. Vielfältige Rundwanderung um Glarus.

Von Brigitte Zwahlen

Klein, aber fein
Auf dem Weg vom Zürichsee durch die Linthebene zweigt kurz vor dem Walensee das tief eingeschnittene Tal des Glarnerlands südwärts ab. Bis zu 1750 Meter wachsen die Berge steil aus dem Boden. Mit 3614 Meter ist der Tödi der höchste Berg der Ostschweiz. Das Glarnerland – einst eine ärmliche Region mit Viehund Landwirtschaft, dann als innovativer Industriestandort bekannt, ist heute auch beliebt als Wanderparadies.

Start- und Zielort dieser Rundwanderung ist der Bahnhof von Glarus. Der dreistündige Weg folgt dem grünen Logo «Glarus Rundweg». Der kleinste Kantonshauptort der Schweiz liegt eingebettet zwischen Bergen am Fuss des Glärnisch. Seit ein Grossbrand 1861 die alten Viertel zerstört hat, sind die Strassen des Hauptortes Glarus rasterförmig angelegt, Strassenkarrees wie sie auch New York aufweist. Dieser Ort mit knapp 6000 Einwohnern bezeichnet sich selbstsicher als Stadt und trotz einer Lage von nur 470 m ü. M. gehört sie zu einem typischen Gebirgskanton.

Industriezeugen EnnendaDie eindrückliche Industriegeschichte des Glarnerlandes ist mit derjenigen seines Hauptortes eng verbunden. Die Industrie hielt mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei 1740 Einzug ins Tal. 1859 erreichte die Eisenbahn Glarus. Von 1800 bis zum Brand 1861 verdoppelte sich seine Einwohnerzahl und hier fand auch der erste Streik in der Schweiz statt. Links und rechts von der Linth breitet sich eine der wieder erstarkende Industrie aus. Wir absolvieren aber mitnichten eine Stadtwanderung, sondern wandern ebenso durch naturnahe, unberührte Landschaften und durchstreifen wohnliche Ortschaften wie Ennenda oder Mitlödi.

Alte Landesstrassen und Landesfusswege
Eine Eigenheit der Glarner Verkehrsgeschichte sind die Landesfusswege (LF), Gebirgspässe (GP) und die Alten Landstrassen (AL) – sie bezeichnen eine rechtliche Bestimmung, nämlich ein dauerndes, öffentliches Fusswegrecht. Das «Verzeichnis der Landesfusswege und Gebirgspässe im Kanton Glarus» ist 1890 von der Baudirektion erlassen worden.

Auch auf lokalen Verbindungen finden sich eindrückliche Beispiele dieses Wegtyps. So etwa bei der Strecke von Ennetbühls nach Oberdorf ob Ennenda. Neben der horizontal verlaufenden Hauptgasse gehören zwei in der Falllinie angelegte Zugänge vom Oberdorf in Ennenda, die «Vorder-» und die «Hintergasse», zum Wegsystem. Das Gassenensemble ist zum grossen Teil auf beiden Seiten mit Trockenmauern eingefasst und hauptsächlich aus Bruch- und Lesesteinen kunstvoll zusammengefügt.

Grundlagen wie das «Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz» (IVS) helfen, die Vielfalt der Kulturlandschaft zu überblicken und ihnen Sorge zu tragen – denn oft benutzt der Wanderweg ja die traditionellen Verbindungen.

Altes KontorFridliweg
Eine empfehlenswerte Wandervariante führt ab Bahnhof Mitlödi bis nach Näfels. Im Mittelalter legte man Siedlungen und Verkehrswege an Berghängen und Schuttkegeln an – erhöht über dem Überschwemmungsbereich der Linth. Deshalb winden sich die Überbleibsel dieser alten Landeswege noch heute in ständigem Auf und Ab den Hängen entlang. Nach unzähligen schweren Hochwasserschäden schuf die Linthkorrektion 1807–1816 die Voraussetzungen für die Ansiedlung von Industrie und somit auch zur Schaffung neuer Verkehrswege.

Das Projekt der als Fernwanderweg markierten Verbindung, des «Fridliwegs» (von Fridolin, dem Glarner Landesheiligen), folgt weitgehend der Alten Landstrasse sowie einigen weiteren Landesfusswegen. Damit wird ein bedeutender historischer Verkehrsweg sinnvoll genutzt und erhalten. Der vollständige Fridliweg wird aufgeteilt in Nord (Reichenburg – Glarus), Mitte (Glarus – Schwanden) und Süd (Schwanden – Linthal). Nach der Eindämmung der Linth wurden Kunststrassen schnurgerade durch die Ebene gezogen und vorwiegend als Dammweg, das heisst leicht erhöht, angelegt.

Route
Glarus (472 m)—Unter Rüti (672 m)—Ennenda (481 m)—Glarus (472 m). Variante: Mitlödi (503 m)—Ennenda (481 m)— Glarus (472 m)—Netstal (458 m)—Mollis (501 m)— Näfels (445 m).

Wanderzeit
je 3 Stunden. Route: 60 m Steigung und 120 m Gefälle. Variante: 350 m Steigung und 350 Gefälle.

Karte
Wanderkarte Kümmerly+Frey 1 : 60 000 «Glarnerland Walensee».

Öffentlicher Verkehr
Hinreise: mit Bahn nach Mitlödi. Rückreise: Bahn ab Näfels.

Besonderes
Baumwollfabrik Daniel Jenny & Co., Öffnungszeiten der Boutique: Mo—Fr 13.30—18.30 Uhr, Sa 9—12 Uhr

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