Über den Linnerberg

Über den Linnerberg

 Jurahöhenweg-Wanderung von der Staffelegg nach Villnachern. Besuch der alten Linde von Linn. Wir durchstreifen Wald und Wiese. Doch auch die Aussicht lässt sich sehen.

Von Brigitte Zwahlen

Kretenweg–Jurahöhenweg
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sch gewinnt der Bus ab Aarau an Höhe, die meisten Ausflügler steigen auf der Passhöhe Staffelegg aus. Hier führt die dritte Etappe des bekannten Jurahöhenweges von Dielsdorf nach Genf vorbei. Wir begnügen uns aber mit dem Kretenweg über den Linnerberg. In Linn stellt sich dann die Frage: Wie weiter? Möchten wir dem klassischen Weg nach Brugg folgen oder lieber durchs Sagimülitäli nach Effingen absteigen. Vielversprechend ist aber auch, nach Villnachern ins Aaretal hinunter zu wandern. Noch ist keine Entscheidung zu treffen, einfach immer den rot-gelben Rauten folgen. Hinter Chillholz und Möseren steigen wir aufwärts zum Linnerberg, bis der Weg uns kurz vor Linn steil abwärts bringt. Sobald sich der Wald lichtet, eröffnen sich gegen Norden Ausblicke ins hügelige Gebiet des Aargauer- und Baselbieter-Juras. Im Hintergrund erhebt sich der Schwarzwald. Im Süden liegt das Mittelland mit den  Städten Brugg und Aarau. Mit etwas Glück reicht die Sicht sogar bis zur entfernten Alpenkette.

Wasserfall am Wegesrand

Uralt und doch lebendig
Linn ist eine kleine Aargauer Gemeinde und ein Dorf ohne Durchgangsverkehr. Wen erstaunts da, dass neue Häuser entstehen und die alten hübsch renoviert werden. Schmucke Vorgärten sind zu bewundern während wir durchs übersichtliche Bauerndorf spazieren. Der heutige Dorfkern von nationaler Bedeutung hat sich seit 1848 kaum verändert. Obschon nur wenige Gebäude aneinandergebaut sind, bietet Linn das Bild einer dichten Zeilenbebauung.

Auf dem Dorfplatz wurde eine junge Linde gepflanzt, die wohl einmal die Nachfolge der bekannten 800-jährigen Linner Linde antreten wird. Der eindrucksvolle und wohl mächtigste Baum der Schweiz steht auf der Wasserscheide und natürlich unter Naturschutz. Sein Umfang beträgt stolze elf Meter, das Alter wird auf 500 bis 800 Jahre geschätzt und unter den weit ausladenden Ästen lässt sich von vergangenen Zeiten «träumen». Der Baumriese gilt seit Jahrhunderten als Kraftspender und soll Schutz vor der Pest gebracht haben. Auf der Informationstafel zur Linner Linde ist zu lesen: «Wer sich unkonzentriert fühlt, setzt sich einige Minuten unter die Linde, sie wird beruhigen. » Das lassen wir uns nicht entgehen, denn jetzt müssen wir uns über die Abstiegsroute klar werden. Auch der Europäische Fernwanderweg verläuft hier durch (von den Pyrenäen zum Balaton in Ungarn) – doch so weiträumig ist zum Glück nicht zu planen.

Der «Orchideenwein» von Villnachern
Wir bleiben bescheiden und wandern in rund 40 Minuten durch Wiesen und Wälder zum Dorf Villnachern hinunter. Ein Wegweiser zeigt zum Rebberg Sommerhalde, an dessen oberen Rand entlang erreichen wir schliesslich Villnachern. In der Sommerhalde wächst der sogenannte «Orchideenwein ». Wieso Orchideen? Auf dem Gemeindegebiet wachsen 18 Orchideenarten und die Weinbauern von Villnachern haben sich zur Winzergemeinschaft «Produzenten Orchideenwein» zusammengeschlossen.

Jurahöhenweg.

Nun schmücken sich 18 Weine mit 18 verschiedenen Orchideen-Zeichnungen – gemalt von einer Porzellanmalerin. Varianten: Von Linn aus ist auch der Abstieg durch das verträumte Sagimülitäli nach Effingen zu empfehlen. Jahrelang stand das Tal im Mittelpunkt der Auseinandersetzung um die Linienführung der Autobahn A3. Dank einer Projektänderung und der Verlängerung des Bötzbergtunnels wurde die Idylle samt Naturschutzgebiet und zwei Wasserfällen gerettet. Unterwegs streifen wir an zwei kleinen Weihern und einer stillgelegten Steingrube vorbei. Auch vermoste Bunker und alte Panzersperren fehlen nicht.

Für die Brugger-Variante spricht der Landgasthof «Vier Linden», deren währschafte Schweizer Küche Stärkung verspricht.

Route
Staffelegg (621 m)—Chillholz (649 m)—Linnerberg (722 m)—Linn (580 m)—Villnachern (357 m).

Wanderzeit
3 Stunden, Aufstieg 120 m—Abstieg 370 m.

Varianten
Linn—Sagimülitäli—Effingen 3 Stunden (Postauto nach Brugg) oder über «Vier Linden» nach Brugg 4 Stunden.

Karte
Landeskarte 1 : 50 000, Blatt 214T «Liestal». Restaurants: Brugg, «Vier Linden», Staffelegg, «Bären» Villnachern (Ruhetag Mi ab 14 Uhr und Do)

Besonderes
Unter dem Titel «Dreiklang» haben sich zehn Gemeinden in drei Aargauer Juratälern zusammengeschlossen, um Erlebnistage «Landschaft, Ässe und Wy» mit Wandern, Weindegustation und Essen durchzuführen: www.dreiklang.ch.

Öffentlicher Verkehr
Anreise mit Bahn bis Aarau, umsteigen auf Bus bis Staffelegg. Rückreise ab Villnachern mit Postauto nach Brugg.

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