Spurensuche

Spurensuche Auf dem Trassee der WMB vom historischen Städtchen Grüningen über sonniges Bauernland und aussichtsreiche Terrassen des Pfannenstiels an den Zürichsee.

von Brigitte Zwahlen

«Wurst-mit-Brot-Bahn»
Anfangs des letzten Jahrhunderts existieren zwischen Zürichsee und Oberland drei Bahnlinien: die Uerikon-Bauma-Bahn (1901), die Wetzikon-Meilen-Bahn (WMB, 1903) und die Uster-Oetwil-Bahn (1909). Die WMB, einem alten Züritram ähnelnde elektrische Strassenbahn, wurde liebevoll «Wurst-mit-Brot-Bahn» genannt. Auf einer Länge von 22,2 Kilometern führte sie von Kempten über Wetzikon SBB–Gossau–Grüningen–Oetwil–Langholz–Männedorf «Auf Dorf»–Uetikon Grossdorf–Meilen SBB bis zur Schifflände Meilen.

Trotz den hohen Frequenzen während des Zweiten Weltkrieges zeichnet sich das Ende der Bahn ab. Es wird am Unterhalt gespart, die Strassenverhältnisse in den Dörfern sind eng, Unfälle häufen sich. Die Idee auf Autobusbetrieb umzustellen, nimmt erneut Gestalt an. 1946 werden die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland (VZO) gegründet und am 13. Mai 1950 steht die WMB still.

GrüningenSpärliche Spuren
Unsere Spurensuche beginnt im schmucken Städtchen Grüningen. Baugeschichtliche Kostbarkeiten, hübsche Häuserreihen samt Schloss und einladende Restaurants erwarten uns. Von der einstigen Überlandbahn sind allerdings nur noch spärliche Spuren zu entdecken. So im Ortsmuseum (Schloss) mit Informationen zur WMB und in Grüningen Station, wo sich der Sitz der VZO befindet.  Hinter gläserner Fassade – gegenüber dem restaurierten, ehemaligen Stationsgebäude – steht der historische Motorwagen CFe 4/4 2. Für Tram- und Bahnfreunde ein Highlight.

Gute zwei Stunden später werden wir ob Männedorf auf dem Panoramaweg wandern. Er führt über das alte Trassee samt gut erhaltenem Bahnviadukt. Auch das rostrote Wartehäuschen existiert noch – es stand ursprünglich auf der Passhöhe Mühlehölzli – heute steht es an der Risi. Noch befinden wir uns aber in Grüningen, steigen hinab zur Senke des Aa-Tälchens und wandern östlich von Binzikon vorbei Richtung Dändlikon. Es erwartet uns ein angenehmer Bummel durch eine kleinräumige Landschaft mit Wald und Wiesen. Nach dem Queren der Strasse Hombrechtikon–Oetwil zeigt sich kurz der kleine Seeweidsee. Mit dem sich anschliessenden Ützikerried bildet er an interessanten Pflanzen und Kleintieren reiches Schutzgebiet. Auf dem sogenannten «Stuckiweg » gehts weiter dem Buechstutz entgegen. Stuckiweg deshalb, weil der zürcherische General Werdmüller den Weg 1656 für den unbemerkten Transport seiner «Stucken» zur Belagerung von Rapperswil erstellen liess.

RisitobelRisitobel
Der Begriff Ries, Ris oder eben Risi bedeutet Abhang, wo man gefälltes Holz riesen, also herabrollen liess. Auf der Stäfner Risi bietet eine Feuerstelle Gelegenheit zum Grillieren. Viele Bänklein und eine prächtige Aussicht auf See und Berge laden ebenfalls zu einer Verschnaufpause ein. Gut erholt tauchen wir wiederum in den Wald ein, wo der Weg steil hinab ins Risitobel weist. Im Tobel treffen wir auf Spuren der Erdgeschichte. Wechselnde Lagen von Nagelfluh, Sandstein und Mergel werden sichtbar. Wasserfälle, besonders eindrücklich nach starkem Regen, überraschen den Wanderer. Wir lassen die Gesteinsformationen auf uns wirken, bevor uns Treppen aus dem Engnis herausbringen und zu den sonnigen Halden am hinteren Risirain führen. An südexponierten Hängen mit viel Licht und Wärme sind die Böden oft nicht sehr tiefgründig und trocknen leicht aus. Sie wurden früher kaum gedüngt und dank dieser extensiven Bewirtschaftung entstanden artenreiche Trockenwiesen. Dieser Standort steht seit 1998 unter kantonalem Naturschutz. Er bildet ein schmales Band zwischen dem Waldrand oben und den unten liegenden Reben, die an solchen Orten einen guten Tropfen liefern. Eine weitere Strasse muss überquert werden (Stäfa–Oetwil) und nun treffen wir bald auf das bereits erwähnte Viadukt der WMB und das noch erhaltene Trassee. Bei Ober Allenberg steigen wir nach Männedorf hinab oder steigen an der Haltestelle «Auf Dorf» in den Bus.

Route
Grüningen 492 m—Dändlikon 525 m—Schueppis 574 m—Risi—Ober Allenberg 534 m—Männedorf SBB 419 m. Variante: vom Risitobel direkt nach Stäfa absteigen

Öffentlicher Verkehr
Anreise: Mit S7 nach Männedorf/Stäfa Bus 940/950 bis Oetwil a. S., Bus 867/845 bis Grüningen.
Rückreise: ab Männedorf/Stäfa S7.

Wanderzeit
21/2—3 Stunden.

Karte
Wanderkarte Kanton Zürich 1 : 25 000, Nr. 5 «Zürichsee».

Besonderes
Schloss Grüningen: Ortsmuseum mit Informationen zur WMB. Öffnungszeiten: April—Oktober, sonntags 13—16 Uhr.

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