Sonnige Aussichten am Belpberg

Lockruf Chutzen: Den herrlichen Aussichtsgipfel erreicht man über einen Aufstieg durch den Buchenwald und sonnige Wiesenlandschaften, mit phänomenaler Bergschau und Blütenzauber — Ziel ist die «Riviera Berns».

von Karin Breyer

Am Bahnhof Belp startet die panoramareiche Wanderung über den Belpberg. Schon bald kehren Sie dem Dorf mit den herrlich alten Oberländerhäusern den Rücken. Vor Ihnen erhebt sich der sanft von Gletschern geformte Belpberg.

Wanderung BelpbergNun gilts, den Belpberg zu erklimmen, der sich zwischen Gürbeund Aaretal erhebt. Insgesamt ist er elf Kilometer lang und zwei bis vier Kilometer breit. Seinen höchsten Punkt, den Chutzen, erobern Sie heute in knapp zwei Stunden. Wenn Sie beim Bauernhof Breiten sind, gehen Sie links herum und nehmen den schmalen Pfad nach oben. Ein prächtiger, etwa einstündiger Aufstieg beginnt, bei dem es ein bisschen Kondition braucht. Rechter Hand gluckst ein Bächlein, gesäumt von Veilchen und Buschwindröschen. Gleich sind Sie im Wald.  Zum Teil gehts nun steil bergauf, über Treppen und Wurzeln, links fällt senkrecht der Fels ab. Irgendwann ragt spektakulär ein Felssporn in die Höhe – nun ist es nicht mehr weit zur Ruine Hoburg. Allerdings finden sich auf dem steilen Kegel des Burghügels nur noch spärliche Mauerspuren und -reste der Bastion, die vermutlich 1298 von Bernern erfolgreich zerstört wurde.

Der Wurzelpfad setzt sich fort, im Hintergrund das Tschilpen und fröhliche Gezwitscher der Vögel. Changierende Grüntöne und der stets wechselnde Lichteinfall sind wohltuend fürs Gemüt. Völlig unvermittelt kommen Sie im Weiler Hoburg heraus. Jetzt haben Sie die Wahl: Spitz rechts führt der Wanderweg nach Belpberg/Chutzen.

Ein lauschiger Naturweg, entlang von Weiden und durch stillen Wald, schleust Sie in 50 Minuten auf den für heute höchsten Punkt. Oder Sie gehen auf dem Teersträsslein durch den kleinen Ort und über die sonnige Hochebene – die zweifelsohne aussichtsreichere Variante hoch zum Chutzen.

Wanderung BelpbergVerträumter Belpberg
Wenn Sie geradeaus (nicht als Wanderweg markiert) durch Hoburg spazieren, fallen sogleich die gepflegten Bauernhäuser mit den Holzbeigen und prachtvollen Gärten auf. Es ist ein Genuss, durch diese friedlich anmutende Landschaft zu wandeln. Wohin man schaut: grasende Kühe, Pferde, Landwirte, die auf Hochtouren ihre Äcker bestellen. Und dann dieser unendlich weite Blick gen Süden auf die verschneiten Berner Alpen, die sich bilderbuchschön in Szene setzen: unter anderem die Schrattenfluh, das Brienzer Rothorn, Eiger, Mönch und Jungfrau, die Gantrischgletscher.

West- und ostwärts tauchen die sanften Hügel des Emmentals auf. Auf der beinahe verkehrsfreien Strasse gehts durch Oberhäusern und Belpberg/Linde, begleitet von einem weissen Meer aus Blüten und Schnee. Ab Linde ist der Weg wieder markiert, hier gehts rechts Richtung Belpberg/Chutzen. Noch ein Stück wandern Sie entlang von sattgrünem Weide- und noch braunem Ackerland, bis Sie das einzelne Gehöft erreichen. Hier steigen Sie rechts den ziemlich steilen Wiesenhang hinauf, passieren das kurze Waldstück und gehen am Grillplatz links. Nur noch zehn Minuten Aufstieg und Sie sind auf dem Chutzen. Der Aussichtsgipfel mit Bank verspricht erneut grandiosen Fernblick.

Zur «Riviera Berns»
Nun wandern Sie eine Weile lang abwärts, immer Richtung Gerzensee. Von Simmleren sind es noch 40 Minuten nach Gerzensee. Sie durchstreifen weiter ländliches Gefilde, in Nessleren nimmt Sie dann ein hoher Fichten- und Tannenwald auf. Am Waldrand/Grillplatz angelangt, wandern Sie links, auf breitem Naturweg flott abwärts. Endgültig den Wald verlassen Sie am grossen überdachten Grillplatz, wo erneut Alpenkette und Landidylle beglücken. Erstmals zeigt sich im Talboden der Gerzensee, unverbaut, mit Schilf und  hauptsächlich von Birken umsäumt. Das Naturschutzgebiet ist im Besitz des «Studienzentrums Gerzensee» und an den meisten Stellen nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Zum nahen Dorf Gerzensee müssen Sie noch einmal kurz steil absteigen. Immer der Markierung folgend, kommen Sie direkt an der Bushaltestelle «Post» heraus. Als «Perle im Bernerland» beschreibt im Jahr 1919 C. M. Reber das Dorf Gerzensee, das zu den «reizendsten Orten des bernischen Hügellandes» zähle. Mit gleich zwei Schlössern, manche sprechen gar von drei, wartet der Ort auf. Noch heute kann man dem einstigen Glanz nachspüren: bei dem Alten Schloss, dem Neuen Schloss und dem dazwischen liegenden Mittleren Schloss, dem sogenannten Rosengarten (um 1670). Bauernhäuser des Berner Stils aus dem 17. bis 19. Jahrhundert schmücken den alten Ortskern.

Auffallend ist die in einer Nische am Hang gelegene Marienkirche, die bereits 1228 urkundlich erwähnt wurde. Vermutlich befand sich an dieser Stelle, wo einige Quellen gefasst sind, einst ein keltisches Heiligtum, einer Quellgöttin geweiht. Nach wie vor ist Gerzensee ein beliebter Wohnund Ausflugsort: der attraktive Südhang und das milde Klima wirken anziehend.

Route
Belp (522 m ü. M.) — Hoburg (792 m ü. M.) — Oberhäusern (800 m ü. M.) — Belpberg/Linde (802 m ü. M.) — Chutzen (892 m ü. M.) — Simmleren (811 m ü. M.) — Gerzensee (646 m ü. M.)

Wanderzeit
3 Stunden

Wegstrecke
12 Kilometer

Anreise
Mit dem Zug von Bern nach Belp

Rückreise
Mit dem Postauto von Gerzensee (Post) nach Wichtrach, weiter mit dem Zug nach Bern

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