Planetenkunde im spätsommerlichen Laufental

Planetenkunde im Laufental

Zehn Himmelskörper in vier Wanderstunden: Der Planetenweg zwischen Laufen und der Bahnstation Liesberg vermittelt astronomische Kenntnisse in einer naturnahen Juralandschaft.

Von Franz auf der Maur

Auf den ersten paar Hundert Metern freilich ist von Naturnähe noch nicht viel zu verspüren. Vom Bahnhof Laufen bis zum Beginn des Planetenwegs Laufental auf der Flur Uf Sal südlich des Städtchens dominieren vorerst Asphalt, Autos und Industriegebäude. Doch dann beginnt beim goldgelben Sonnenmodell eine Route, die mit einigem Auf und Ab durch Wälder und Felder des Hügellandes im Süden des Birstals führt. Begleitet wird sie – zuerst in geringen, dann in immer grösser werdenden Abständen – durch Darstellungen der Himmelskörper unseres Sonnensystems.

Die ganze Tour ist durchgehend markiert und verläuft streckenweise parallel zu zwei weiteren Lehrpfaden: dem 1995 errichteten Jubiläumsweg «700 Jahre Laufen» sowie der  «Geologischen Wanderung Bärschwil». Es dürfte also ein interessanter Spätsommertag werden. Auf gut einem Drittel der Wegstrecke geht man übrigens durch schattenspendenden Wald.

Winterschlaf auf Mars-Mission
Und wie rasch man hier vorankommt! Mit jedem Schritt werden, auf das Weltall umgerechnet, 700 000 Kilometer zurückgelegt. Beim Planetenweg im Massstab 1 : 1 Milliarde beträgt die Entfernung zwischen Erde und Mond knapp 40 Zentimeter. Von der Erde zum Nachbarn Mars hingegen sind es bereits 80 Meter, also das Zweihundertfache. Dieses Verhältnis der Distanzen macht deutlich, wie schwierig eine bemannte Mars-Mission mit geplanter Rückkehr sein dürfte. Vielleicht müsste man die Astronauten auf ihrer jahrelangen Reise in einen künstlichen Winterschlaf versetzen.

Saturn

Im Weltraum gibt es weder oben noch unten … wohl aber im Laufental. Nach Sonne, Merkur, Erde und Mars gilt es, die erste längere Steigung des Tages zu bewältigen. Sie führt durch schönen Forst zur Waldhütte Hüttenboden, wo ein Strunk mit Schutzdach an die grösste Fichte der Region erinnert: Der Baum von 43 Metern Höhe und vier Metern Stammumfang musste 2003 im Alter von 145 Jahren wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden.

Historisches über das Laufental ist gleich nebenan auf einer Informationstafel zu erfahren. In wenig mehr als 200 Jahren hat unser Wandergebiet vom Fürstbistum Basel zuerst zur Französischen Republik und dann zum Kanton Bern gewechselt, bis es sich schliesslich Baselland anschloss.

An der Bärschwiler Gipsbahn
Während das Laufental nun wohl seine politische Zugehörigkeit gefunden hat, steht für uns Weltraumtouristen ein Kantonswechsel an. Von der Waldlichtung um den Stürmenhof zickzackt ein Fusspfad hinunter ins Felsental, welches Bärschwil gegen die Birs entwässert. Unser nächstes Zwischenziel jenseits des Baches liegt auf solothurnischem Boden: die in drei Teile gegliederte Ortschaft Wiler mit Vorder Wiler, Unter Wiler und Ober Wiler.

Vor dem Anstieg, dem zweiten des Tages, noch ein Blick auf das Trassee der einstigen Bärschwiler Gipsbahn mit restaurierter Eisenbrücke. Von 1898 bis zur Einstellung des Gipsabbaus in Bärschwil nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier der einheimische Bodenschatz zum Bahnverlad an der SBB-Linie Basel–Delémont transportiert, wie eine geologische Orientierungstafel verrät.

Kalt und dunkel ist es unterdessen im Weltraum geworden. Riesenplanet Jupiter und Kollege Saturn mit seinem auch im Modell am Wegrand gut erkennbaren Ringsystem liegen hinter uns, die ferne Sonne ist nur noch ein Leuchtpunkt am schwarzen Firmament. Wovon Astronauten nur träumen können, dürfen wir uns hier auf Erden gerne gönnen: eine Einkehr in der «Alten Mühle» von Wiler. Bei einer Erfrischung in der gemütlichen Gaststätte drängt sich der Gedanke auf, woher denn am trockenen Abhang des Landsbergs die Wasserkraft zum Antrieb des Mühlrades gekommen sei. Gerne gibt die Wirtin Auskunft. Die eigentliche alte Mühle stehe unten am Bach bei Bärschwil; die Anlage hier am Berg hingegen sei mit Elektrizität gelaufen.

Versteinerte Glücksbringer
Der Nordflanke des Landsbergs entlang führt der Planetenweg weiter westwärts und stösst bei der Bärschwiler Jagdhütte unter der Roten Fluh ein zweites Mal auf die Route der Geologischen Wanderung. An dieser Stelle gibt es Informationen über den Gebirgsbau im Solothurner Jura und die hier vorkommenden Versteinerungen. Wer findet etwa einen muschelartigen Brachiopoden, seiner Form wegen von den Einheimischen «Dübeli» genannt und als Glücksbringer geschätzt?

Während der erdgeschichtliche Lehrpfad nun gegen den Wasserberg und die Fossilfundstellen von Misteli, Vögeli und Fringeli emporsteigt, senkt sich unser Planetenweg – inzwischen wieder auf Baselbieter Boden – dem Wanderziel bei der Station Liesberg entgegen. Seit dort keine Regionalzüge mehr anhalten, besorgen Postautos die Verbindung mit Laufen. Uranus, Neptun und Pluto waren die letzten Himmelskörper unterwegs. Übrigens hat der Winzling Pluto unlängst seinen Planetenstatus verloren, weil er bloss ein entlaufener Mond ist, wie Astronomen entdeckten.

Route
Bahnhof Laufen (351 m)—Uf Sal/Beginn Planetenweg (386 m)—Hüttenboden (551 m)—Stürmenhof (453 m)—Ober Wiler (498 m)—Bärschwiler Jagdhütte (641 m)—Spitzenbüel (629 m)—Station Liesberg (380 m).

Wanderzeit
4 Stunden mit 450 Metern Steigung und 400 Metern Gefälle.

Öffentlicher Verkehr
Laufen liegt an der SBB-Linie Basel—Delémont. Rückfahrt ab Station Liesberg mit Postauto nach Laufen.

Karten
Landeskarte der Schweiz 1 : 25 000, Blätter 1086 «Delémont» und 1087 «Passwang». Landeskarte 1 : 50 000, Blatt 223 «Delémont». Wanderkarte 1 : 50 000, Blatt 223 T «Delémont».

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