Oase im Appenzellerland

 AppenzellSaftige Wiesen, steile Schluchten und bezaubernde Bergseen bietet der Appenzeller Alpstein. Die Landschaft um den Seealpsee hat etwas Mystisches und die Ansicht des Bergsees ist jeden Schritt wert. Lohnenswerte Rundtour — auch der Berggasthäuser wegen.

Von Brigitte Zwahlen

Sennenspeisen
Es empfiehlt sich, den Anstieg früh unter die Füsse zu nehmen, um von der Morgenkühle zu profitieren. Ab Wasserauen erreicht man den Seealpsee in gut einer Stunde auf beiden Seiten des Tals. Wir wählen als Aufstieg die Fahrstrasse, die für private Autos gesperrt ist. Die Gasthäuser im Tal lassen wir links liegen, gehen vorbei am Elektrizitätswerk und steigen stetig aufwärts. Links unter uns rauscht der Schwendibach, die Felswände erscheinen schroff und abweisend. Fast unbemerkt erreichen wir den verträumten Seealpsee, allerdings mit leicht erhöhtem Puls und den ersten Schweisstropfen. Zwei heimelige Berggasthäuser laden hier zum Verweilen ein. Auf der Speisekarte stehen «Sennenspeisen», will heissen: Schlipfechäs (frischer Kuhmilchkäse, dünn geschnitten, 1 Tag im Salzwasser eingelegt, mit Pfeffer serviert) oder Ziegenfrischkäse (frischer Ziegenmilchkäse, noch nicht gereift). Romantiker geniessen anschliessend eine gemütliche Ruderbootfahrt im Kranze der mächtigen Bergkulisse.

Kapelle mit Ziegen

«rondom»
Im lichten Wald am See steht versteckt die Bruder-Klaus-Bergkapelle, ebenfalls gerne aufgesucht von einer Herde weisser Geissen. Die erholsame Seerundwanderung führt an gemütlichen Alphütten vorbei. Auf der Alp Spitzigstein am Seeende werden Molkebäder angeboten.

Der klare Bergsee dient Appenzell als Trinkwasserreservoir. Im Juli 2009 und 2010 färbte die Alge Tovellia sanguinea, eine Dinoflagellaten- Art, den Bergsee rot. Diese Alge gedeiht besonders gut in nährstoffarmen Kaltwasserseen in Höhenlagen über 1000 Meter. Laut einer Mitteilung des Amtes für Umwelt- und Gewässerschutz im Kanton Appenzell Innerrhoden ist dieser Effekt auf die Bildung eines mit Sauerstoff gesättigten Sediments zurückzuführen. Die Ursache für dessen Bildung ist gemäss Theorie die zunehmende Reinheit des Sees durch die kontinuierlich abnehmende Nährstoffbelastung.

Alpstein
Weit im Talhintergrund ragt zwischen schroffen Felswänden der Säntisgipfel in den Himmel. Der Alpstein ist ein ideales, manchmal auch anspruchsvolles Wandergelände. Unsere Rundtour gehört zu den einfachen und gern unternommenen Tagesausflügen. Das Alpsteinmassiv gehört zu den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen. Trotz seiner im Vergleich zu anderen Alpengipfeln eher geringen Höhe – höchster Berg ist der Säntis mit 2501,9 Meter – wirkt der Alpstein mächtig. Geologisch ist der Alpstein, anders als die überwiegend aus Granit bestehenden Zentralalpen, ein Kalksteinmassiv und stellt damit eine Art westliche Fortsetzung der weiter östlich zwischen Deutschland und Österreich verlaufenden nördlichen Kalkalpen dar. Der Kalkstein ist mit zahlreichen Rissen, Höhlen und Dolinen durchsetzt. Zwischen diesen Gebirgszügen sind auf Appenzeller Seite in die Täler des Alpsteins kleine Bergseen eingebettet: Seealpsee, Sämtisersee und Fälensee. Die zwei letzteren Seen verfügen über keinen oberirdischen Abfluss.

Kraftwerk

Abstieg
Am südöstlichen Ende des Seealpsees besteht die Möglichkeit einer Variante: der Weg durch die «Schrennen» (Gras- und Felsbänder mit steilen Abstürzen). Die Aussicht von den «Schrennen» wurde in einer alten Schrift wie folgt beschrieben: «Diesen 2–3 Schuh breiten Weg hinunder sihet man den hart an den Felsen liegenden unergründtlich tieffen Seealp-See welcher den Menschen und Vieh grosse Forcht einjagt wann sie diesen Weg machen.» Dieser Weg ist heute gut ausgebaut, an einigen Stellen allerdings etwas exponiert. Eindrücklich ist jedoch die Sicht auf den See. Mit der Variante ist eine zusätzliche Wanderstunde einzuplanen. Bei den Alpen Gross- und Chli- Hütten besteht die letzte Gelegenheit, sich mit frischen Alperzeugnissen einzudecken. Der Abstieg durchs Hüttentobel ist zum Teil steil und ruppig.

 

 

 

Route
Wasserauen (868 m)—Chobel (1111 m)—Seealpsee (1141 m)—Hüttentobel—Wasserauen (868 m).

Wanderzeit
3 Stunden, 260 m Steigung und Gefälle.

Karten
Wanderkarte Kümmerly+Frey 1 : 60 000 «St. Gallen Appenzellerland». Landeskarte 1 : 25 000, Blatt 1115 «Säntis».

Öffentlicher Verkehr
Hin- und Rückreise mit Appenzellerbahn bis Wasserfallen.

Besonderes
Rucksack mit genügend Platz für den Alpkäse.

Restaurants
In Wasserauen Hotel Bahnhof und Hotel Alpenrose/ beim See Bergrestaurant «Seealpsee» und «Forelle».

www.alpstein.ch

 

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