Munteres Auf und Ab im Westen von Bern

Höchst vergnügliche Rundwanderung durch Berns Westen, der sich überraschend vielfältig präsentiert: Das beschauliche Gäbelbachtälchen, das historisch interessante Frauenkappelen, das Wasservogelparadies Wohlensee und der Aussichtspunkt Riedernhubel. Erholung für die ganze Familie – nur ein Katzensprung von Bern.

von Michael Fankhauser

Idylle im Westen von Bern: Der Wohlensee. (Michael Fankhauser)

Idylle im Westen von Bern: Der Wohlensee. (Michael Fankhauser)

Ausgangs- und Endpunkt der Tour ist die eindrückliche Hochhaussiedlung und Satellitenstadt Gäbelbach (545 m) im äussersten Westen der Stadt Bern. Gute Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten im Zentrum Westside. Nach einigen Wanderminuten auf schmalem Fussweg unterqueren wir die Hauptstrasse nach Frauenkappelen, der Tunnel ist Pforte zu einer ganz anderen Welt: Fortan führt der Pfad mehr oder weniger dicht dem Gäbelbach entlang, der sich überaus malerisch durch schattigen Wald und feuchte Wiesen schlängelt. Perfekte Idylle, wenn da nicht die störende Lärmkulisse der nahen Autobahn Bern – Murten wäre.

Schliesslich wird auch die Autobahn unterquert, es folgt ein Wegstück durch lichten, verjüngten Wald – der Gäbelbach ist uns dabei ein ständiger sprudelnder Begleiter. Bald wird aus dem Wald- ein Wiesenpfad, kurz hinter dem Hof Räbmatt kreuzen wir die Strasse nach Frauenkappelen und erreichen wenige Minuten später die pittoreske Riedbach-Mühle. Es folgt die Durststrecke der Wanderung – der Aufstieg nach Frauenkappelen, der vornehmlich auf Teerstrasse begangen werden muss. Immerhin: Der wappenverzierte Hof Mülifeld ist eine Augenweide, Frauenkappelen (601 m) kurze Zeit später erreicht.

Vogelparadies Wohlensee
Beim Kreisel vor der Post biegt ein Teersträsschen ab (Wegweiser: Wohlensee), das aus dem Dorf herausführt. Der Wanderweg geht später in einen Feldweg über, wir passieren den Hof Breitacker. Der «Chatzenstyg» dann macht seinem Namen alle Ehren: Auf schmalem Pfad geht’s in Serpentinen den abschüssigen Waldhang hinunter, zwischen den Bäumen hindurch schimmert bereits lieblich der Wohlensee. Eine höchst romantische Feuerstelle direkt am Seeufer lädt zur Rast. Unglaublich, wie viele Wasservögel sich den Wohlensee als Revier ausgesucht haben! Auf breitem Feldweg geht’s immer dem schilfbestandenen Ufer entlang zum Weiler Wohlei (485 m) mit seinen prächtigen Bauernhäusern. Die nahe Wohleibrücke gewährt übrigens einen grossartigen Ausblick auf den See.

Blick über den Wohlensee. (Michael Fankhauser)

Blick über den Wohlensee. (Michael Fankhauser)

Man hat die Qual der Wahl – drei Wege bieten sich nämlich als Fortsetzung an: In rund 25 Minuten erreicht man über die Wohleibrücke Wohlen (Anschluss ans Postauto). Eine etwas längere Route mit schönen Ausblicken auf den See führt über Stürleren und Riedern nach Gäbelbach. Wir wählen die dritte Route und steigen von Wohlei aus in südöstlicher Richtung durch einen engen Hohlweg den Waldhang hinauf zum Aussichtspunkt Riedernhubel (625 m). Klein, aber fein: Die Rundsicht vom Riedernhubel ist trotz dessen geringer Höhe grandios – ein letzter Höhepunkt der Wanderung! Nun ist es nicht mehr weit bis zur Satellitenstadt: Hinunter zum Weiler Riedern, auf der «Napoleonsbrücke» überqueren wir sodann einen alten Bekannten, den Gäbelbach. Die gleichnamige Siedlung empfängt uns mit einem kleinen Tiergarten, bis zur Busstation sind es noch zehn Wanderminuten.

Zur Info
Frauenkappelens historische Spuren reichen weit zurück. Dies belegen hallstattzeitliche Grabhügel und Reste eines römischen Gutshofs, die im Spil- bzw. Ägertenwald entdeckt wurden. Im Frühmittelalter wurde das Gebiet neu besiedelt: Am Hang über der Aare entstand die Burg Alt-Bubenberg, später wurde eine Marienkapelle (1158 erstmals urkundlich erwähnt) errichtet. Zwischen 1228 und 1240 kam es zur Gründung eines Augustinerinnenklosters. Das Kloster «Sancta Maria de Cappellis in Foresto» unterstand dem Deutschordenshaus Köniz und war Lebensraum für etwa 20 Nonnen. Die Marienkapelle wurde in dieser Zeit zur Klosterkirche ausgebaut.

Das Kloster wurde allerdings 1486 bereits wieder aufgehoben und sein Besitz dem Chorherrenstift St. Vinzenz in Bern inkorporiert. Die Klosterkirche wurde vorerst Filiale von Mühleberg. Später trennte sich Frauenkappelen als selbständige Kirchgemeinde von Mühleberg ab, damit einher ging ein Neubau der Kirche 1574. Bis zum Abbruch 1640 diente der Klosterbau als Pfarrhaus. Die klösterliche Vergangenheit Frauenkappelens hat dennoch überlebt – einerseits im Ortsnamen, andererseits im Wappen (Kreuz). Die Bischofsstäbe im Wappen hingegen erinnern an das Bistum Lausanne.

Anforderungen
Leicht, ein kürzerer Aufstieg.

An- und Rückfahrt:
Bernmobil-Tram (Nr. 8) ab Bahnhof Bern bis Endstation Westside. Zurück auf demselben Weg.

Distanz: Rund 10,5 km.

Wanderzeit: 3 Std. 10 Min.

Jahreszeit: Ganzes Jahr, im Winter einige vereiste Stellen möglich, im Frühling streckenweise Morast.

Verpflegung unterwegs: Zahlreiche Verpflegungsmöglichkeiten: Restaurant Mühle, Restaurant Bahnhof, Riedbach, Hotel Bären, Frauenkappelen, Gasthof zum Kreuz, Wohlen, Restaurant Gäbelbach, Bern.

Titelbild: Adrian Sulc / Restliche Bilder: Michael Fankhauser

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