Luzernerland aus der Vogelperspektive

Panoramareicher Weg von Schwarzenberg zum Chrüzhubel, ganz im Banne des Pilatusmassivs – wunderbare Weitblicke auf Vierwaldstättersee und Alpenkette – über blumige Wiesenhänge und stille Waldpfade ins wildromantische Eigenthal

Von Karin Breyer – Reinhardt Verlag (Aus der Reihe Wandern mit dem GA und dem Halbtaxabonnement
Band 4: Frühlingswanderungen)

WandernBVöllig losgelöst
Der Bus schlängelt sich von Malters rund 350 Meter in die Höhe, entlang elegant geschwungener Moränenhügel und durch kleine Örtchen. Auf dem Weg zur Sonnenterrasse beschleicht einen so richtig die Wander- und  Entdeckungslust.

Wenn Sie in Schwarzenberg/Ennenmatt aussteigen, orientieren Sie sich Richtung Scharmis (35 Minuten), das heisst, Sie marschieren an der Bushaltestelle links und nach 80 Meter rechts und auf der Schwandenstrasse aufwärts. In Schwanden führt ein schmales Teersträsslein aufwärts, Richtung Chrüzhubel. Sogleich öffnet sich ein fantastisches Panorama, das Sie für eine Weile geniessen dürfen beim Streifzug über die Schwandenegg. Bald auf einem Feldweg, dann auf schmalstem Pfad, vagabundieren Sie völlig dem Alltag enthoben, zwischen Weiden und Kühen, leichtfüssig dahin. Weite, nichts als Weite. Sie schauen runter aufs nahe Malters, entdecken die silber glitzernde Kleine Emme  und können das Luzerner Mittelland mit seinen bewaldeten Hängen im Kontrast zu den lieblichen Hügeln aus der Vogelperspektive betrachten.

Beinahe schwerelos fühlt man sich auf dem Höhenzug, gerne bleibt man stehen oder lässt sich auf der Aussichtsbank nieder. Beim Usserberg zeigen sich die ersten Häuser von Scharmis, das friedlich in eine wellige Wald- und Wiesenlandschaft gebettet ist. Der gelben Raute folgend, gehts nun quer durch eine sattgrüne Frühlingswiese, vorbei an lockeren Baumgrüppchen.

An der Wegkreuzung Scharmis halten Sie sich Richtung Chrüzhubel. Rechts imponiert die schneebemützte Pilatuskette, die sich auf dieser Wanderung stets aufs Neue majestätisch präsentiert. In Kürze kommen Sie an einem gepflegten Gehöft vorbei, wo man zur Überraschung genüsslich weidende Lamas antrifft. Weitab ihrer fernen Heimat, den Anden, scheint es ihnen hier recht gut zu gehen. An der kleinen Kapelle gehts links (immer der gelben Raute nach), ein Naturweg führt durch blühende Löwenzahnfelder bergauf, begleitet vom lauten Gebimmel des grasenden Braunviehs. Frühlingsschön ist es hier! Und zunehmend fordert die schroffe Bergwelt, die mit der lieblichen Gegend kontrastiert, Aufmerksamkeit.

wandernANach dem Aussichtsbänkli – das verführerisch zu einer kurzen Pause lockt – gehts ins Wäldchen. Und gleich beginnt ein spannender Gratweg, vorbei an starken alten Bäumen: Lärchen, Fichten, Buchen, Eschen, Stechpalmen, mit fabelhaften Fernsichten aufs Luzernerland und die Bergriesen.

Wow, entfährt es einem spontan angesichts der erhabenen See- und Gipfelkulisse, wenn man am Aussichtspunkt Chrüzhubel steht (nur 2 Minuten vom Wegweiser Punkt 990 entfernt). Ein Grillplatz und Bänke mit Logenplatz laden zum Picknick! Sie folgen weiter dem Wanderweg (zunächst Richtung Luzern/Sonnenberg). Es geht nun (teils steil) abwärts, durch den Wald und bald entlang des Waldrandes (gelb markiert). In Kürze taucht im weiten Feld eine auffällige Gruppe immens grosser schöner Tannen auf, die wie Kraftkegel den Himmel ragen. Erneut werden Sie verwöhnt mit fabelhafter Sicht auf die vielen Arme des Vierwaldstättersees, den Rotsee, die Reuss, Sursee, Luzern und weit hinten die Rigiberge.

Sonnendurchflutet ist es, Sie schwelgen durch eine grüne Landschaft. Bei dem riesigen Schatten spendenden Baum mit den Wegweisern halten Sie sich rechts und marschieren zum nahen Holderchäppeli: ein einfacher, weiss getünchter Schrein mit Bänkli und Rundsicht um Kriens und Luzern. Weiter gehts links, kurz auf Asphalt.

Ins wildromantische Eigenthal
Am nahen Parkplatz Holderchäppeli gehen Sie auf breitem Wanderweg Richtung Eigenthal, entlang blühender Wiesen und Wald. Sie beschreiten jetzt auch den bekannten Klimaweg, der von Obergütsch über den Sonnenberg ins Ränggloch und hinauf ins Eigenthal führt. Intention ist es, für Umweltthemen, Nachhaltigkeit und sinnvolle Energienutzung zu sensiblisieren – zum Wohle aller. Die aufgestellten Tafeln enthalten wertvolle Tipps und aufschlussreiche Informationen.

wandernCNach etwa 8 Minuten stehen Sie an einer Weggabelung: Hier haben Sie die Möglichkeit, geradeaus in 50 Minuten ins Dorf Eigenthal auf dem beschaulichen breiten Wanderweg (und Klimaweg) den Tag völlig anstrengungslos und sanft ausklingen zu lassen und im «Eigenthalerhof» zu vespern. Wer sich noch ein wenig herausfordern möchte, geht hier rechts Richtung Würzenegg (35 Minuten) und von dort runter ins Dorf Eigenthal.

Ein wunderbar stiller Waldweg führt Sie in die Höhe (immer der gelben Raute nach). Sie ziehen an stolzen Tannen vorbei, lichtdurchflutet ist es. Mitunter gehts auf ganz schmalem Pfad aufwärts, es wird dichter und wilder, ein eher wenig begangener Weg, wie es scheint. Waldschlüsselblümchen und Buschwindröschen setzen bunte Farbtupfer.  Dann und wann öffnet sich der Weg und die Landschaft, mit Fernblicken auf den Alpenkranz vom Säntis zur Pilatuskette und das Luzerner Seebecken.

Unwillkürlich taucht man ein in eine meditative Stimmung. Bis man schliesslich Würzenegg erreicht: ein von sanften Molassezügen modellierter Wiesenhang und ein Aussichtsplateau unmittelbar vor dem mächtigen Pilatusmassiv. Frei kann man atmen hier oben auf 1100 Meter Höhe – ein kleines stilles Paradies eben. Riesige ausladende Tannen dominieren den Waldrand, drum herum stehen grosszügig verteilt rustikale Bänke mit Grillstellen. Ideal also zum Rasten und Ruhen in der warmen Sonne oder im Schatten, für kurze oder längere Zeit.

Wenn Sie sich aufmachen runter ins Dorf, queren Sie entlang des Waldrandes die Egg und nehmen den schmalen Waldweg runter (gelb markiert). Es geht durch einen mächtigen Tannenwald, der, so scheint es, hervorragend in der Tiefe verwurzelt ist. Über viele Steine und dichtes Wurzelgeflecht steigen Sie flott abwärts. Sie befinden sich inmitten des wildromantischen Eigenthals, das sich über einen Halbkreisbogen von etwa 7,5 Kilometer, von der Trochenmattegg bis zum Talabschluss beim Meienstoss, erstreckt. Zum Teil ist der Weg sehr steil (Achtung: Rutschgefahr bei Nässe), irgendwann leuchten zartgrün Lärchen hervor, dann erreichen Sie die Teerstrasse, wo Sie links ins Dorf Eigenthal gehen (nicht als Wanderweg markiert) und direkt am «Eigenthalerhof» rauskommen. Dort findet der Frühlingstag ein gelungenes Ende, auf der Sonnenterrasse oder im Restaurant mit letztem Blick auf den Pilatus, das alpine Wahrzeichen hoch über Luzern. Hungrige können jetzt die Spezialitäten des Hauses kosten: Cordon bleu und zum Dessert leckere Wähen.

Route: Schwarzenberg (825 m ü. M.) – Scharmis (868 m ü. M.) – Chrüzhubel (990 m ü. M.) – Holderchäppeli (935 m ü. M.) – Würzenegg (1173 m ü. M.) – Eigenthal (1017 m ü. M.)

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Wanderzeit: 3 Std.
Wegstrecke: 10 km

Anreise: Mit dem Zug von Luzern nach Malters, weiter mit dem Postauto nach Schwarzenberg (Ennenmatt)

Rückreise: Mit dem Postauto von Eigenthal (Eigenthalerhof) nach Malters, weiter mit dem Zug nach Luzern

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