Grosse Kunst ist nicht vollkommen … Perfektionistische Kunst lässt mich kalt. – Henry Moore 1957

Henry Moor (1898 - 1986) Working Model for UNESCO reclining Figure, 1957 Bronze, 144 x 244 x 122 cm Tate: Geschenk der Freunde der Tate Gallery 1960, (C) Tate, London  (C) The Herny Moore Foundation, All Rights reserved, www.herny-moore.org / 2015, ProLitteris, Zurich

Henry Moore (1898 – 1986) Working Model for UNESCO reclining Figure, 1957 Bronze, 144 x 244 x 122 cm Tate: Geschenk der Freunde der Tate Gallery 1960, (C) Tate, London
(C) The Herny Moore Foundation, All Rights reserved, www.herny-moore.org / 2015, ProLitteris, Zurich

Henry Moore (1898–1986) gilt als radikaler, experimenteller und durchaus avantgardistischer Künstler, auch wenn er der Figuration treu blieb und sich dabei immer wieder mit den klassischen Motiven der Skulptur wie «Mutter und Kind» oder der liegenden Figur auseinandersetzte.

Henry Moore ist einer der bedeutendsten englischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Sein Frühwerk der 1920er und 1930er Jahre war anfänglich umstritten, da die Deformationen und Vereinfachungen der menschlichen Figur als Angriff auf die traditionelle Darstellungsform angesehen wurden. Die Auseinandersetzung mit der sogenannten «primitiven» Kunst sowie mit den zeitgenössischen bildhauerischen Ausdrucksformen war für Moores Entwicklung von grosser Bedeutung. Bei den regelmässigen Besuchen des British Museums in London studierte er intensiv die nicht-europäische Kunst. In Paris knüpfte er zudem Kontakte mit der Avantgarde – unter anderem mit Constantin Brancusi und Pablo Picasso.

In den 1930er Jahren entwickelte Moore zunehmend abstrakte biomorphe Formen. Dabei stützte er sich auf seine Sammlung von Knochen, Muscheln und Steinen, bei denen er die natürliche Metamorphose – Wachstum, Abnutzung, Veränderung – studieren konnte. Sein künstlerisches Ziel war es, wie die Natur lebendige Formen zu schaffen. Deshalb stand zunächst die direkte Bearbeitung des Materials – Stein oder Holz – im Vordergrund. Erst später liess er seine Skulpturen auch in Metall giessen.

Als Protagonist der Londoner Kunstszene äusserte sich Moore in mehreren Texten über sein eigenes Schaffen und erarbeitete sich eine eigenständige Position. Dabei liess er sich nicht von zeitgenössischen Kunstbewegungen, weder vom Surrealismus noch von der geometrischen Abstraktion, gänzlich vereinnahmen.

Während des Zweiten Weltkrieges flüchtete Moore vor den Bombardements Londons aufs Land, wo er bis zu seinem Tod lebte. In dieser Zeit entstanden nur wenige Skulpturen, dafür hielt Moore die Situation der in der U-Bahn Schutz suchenden Bevölkerung in zahlreichen Zeichnungen fest.

In der Nachkriegszeit erhielt Moore vermehrt die Möglichkeit, seine Werke im Ausland zu zeigen. Zudem führte er zahlreiche Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum aus. Sein bildhauerisches Schaffen konzentrierte sich wie bereits vor dem Krieg auf die Darstellung der menschlichen Figur. Ob Moore eher abstrakte oder figurative Skulpturen schuf, ihm ging es stets darum, aus elementaren Formen eine universelle Bildsprache zu entwickeln.

Vor allem im Spätwerk entstand ein umfangreiches Œuvre von über 700 Lithografien. Diese Verschiebung seines Schaffens weg von der Skulptur hin zur Druckgrafik mag auch mit der abnehmenden Arbeitskraft des alternden Künstlers zusammenhängen. Mit der druckgrafischen Produktion erschuf sich Moore einen neuen künstlerischen Freiraum fernab seiner skulpturalen Werke.

Die Ausstellung des ZPK zeigt mit 28 Skulpturen und 42 Arbeiten auf Papier aus den Sammlungen der Tate und des British Council erstmals seit 25 Jahren in der Schweiz einen Überblick über das Werk eines der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

 

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