Fit gemacht für die nächsten 100 Jahre

national - henri matisseDie Restaurierung von Kunstwerken ist eine filigrane, zeitaufwendige und kostspielige Angelegenheit. Innert drei Jahren wurde das Werk «Acanthes» von Henri Matisse in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel nach allen Regeln der Kunst restauriert — unter Beobachtung des Publikums.

Von Simon F. Eglin

Einer der bedeutendsten Künstler im 20. Jahrhundert, Zeitgenosse von Pablo Picasso, Wegbereiter der klassischen Moderne, Pionier der modernen Kunst mit ungeheurem Einfluss. Keine Frage: Wer nach Henri Matisse (1869–1954) fragt, stösst auf eine Flut von Superlativen. «Matisse ist einer der innovativsten Künstler des letzten Jahrhunderts. Er begann mit eindimensionaler Malerei und hat sich immer wieder neu erfunden, auch kurz vor dem Tod – von schwerer Krankheit gezeichnet –
mit seinen «papiers découpés», sagt Dietrich von Frank. Zu ebendiesen «papiers découpés» zählt auch «Acanthes», das zweitletzte Werk von Matisse, das von Frank, bei Nationale Suisse als Botschafter für besondere Projekte und Kooperationen tätig, in den letzten drei Jahren intensiv beschäftigt hat.

«Ernst Beyeler war einer derjenigen, der die eminente Bedeutung der ‹papiers découpés› im Werk von Henri Matisse frühzeitig erkannt hat», sagt Ulf Küster, Sammlungskurator der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Der bekannte Basler Sammler erwarb «Acanthes» bereits im Jahr 1960. Bis heute gehört das Schlüsselwerk der klassischen Moderne zum Fundus der Fondation Beyeler. Es ist nicht nur eines der bedeutendsten, sondern mit seinen 3 mal 3,5 Metern und 200 Kilogramm Gewicht auch das grösste gerahmte, verglaste Bild der Sammlung. Aufgebaut ist es in 13 Schichten, was die Problematik mit sich bringt, dass die verschiedenen Materialien unterschiedlichen Alterungsprozessen ausgesetzt sind, sprich: Das Werk ist vergänglich. Um das Werk zu erhalten, wurde durch eine Kooperation der Fondation Beyeler zusammen mit Nationale Suisse – einem Key-Player in Sachen Kunstversicherung – eine Restaurierung ermöglicht, die nach dreijähriger Tätigkeit im vergangenen September zum Abschluss kam.

national2Der Ablauf der Restaurierung
Die Restaurierung hat mit einer umfassenden kunsthistorischen Recherche begonnen. In diesem Rahmen wurden etwa im Pariser «Archive Matisse» Papierschnipsel aufgefunden, die darauf schliessen lassen, welche Farbveränderungen sich bis heute ergeben haben. Das Restaurierungsteam, bestehend aus Markus Gross und Stephan Lohrengel, reiste rund um den Globus zu rund 60 vergleichbaren Matisse-Werken, um sich dort mit Experten auszutauschen. Zeitgleich wurde der Bildaufbau technisch analysiert, um Alterungsprozesse abzuschätzen. Darauf folgte eine Rekonstruktion, bei der die Arbeitsschritte des Meisters durch die Restauratoren minutiös nachgestellt wurden. Sämtliche Erkenntnisse und Beobachtungen wurden exakt protokolliert.  «Die genaue Dokumentation der Prozesse ist das A und O bei einer Restaurierung. Ausserdem muss jeder Schritt auch wieder rückgängig gemacht werden können», sagt Kunsthistoriker von Frank, der das Projekt lieber als Konservierung bezeichnet, weil dabei keine Materialien ersetzt wurden.

Ab Ende 2011 wurden dann am Werk schliesslich vornehmlich im teilweise lädierten Randbereich Restaurierungsarbeiten vorgenommen: Das Papier wurde gefestigt, Reinigungen und kleine Retuschen durchgeführt und das Gesamtwerk neu gerahmt und verglast.

Die Besucherinnen und Besucher des Beyeler-Museums kamen dabei in den Genuss, den Werdegang der Restaurierung zu verfolgen. «Wir haben festgestellt, dass das Publikum riesiges Interesse an einem solchen Blick hinter die Kulissen hat», sagt von Frank. Die Fondation Beyeler vermeldet, dass über 100 000 Zuschauerinnen und Zuschauer die werdende Restaurierung mitverfolgt haben. In der neuen Sammlungspräsentation der Fondation Beyeler ab 12. Oktober 2013 wird das restaurierte Werk dann wieder zu Bestaunen sein.

Kunstexperte von Frank von Nationale Suisse schätzt, dass durch die Konservierung der Zustand des Meisterwerks für die kommenden 100 Jahre gesichert ist, vorausgesetzt, es wird weiterhin pfleglich behandelt. Das Pilotprojekt des Kunstversicherers mit der Fondation Beyeler wird von allen Seiten als voller Erfolg gewertet und dementsprechend befindet sich Nationale Suisse zurzeit auch mit mehreren Galerien in der ganzen Schweiz im Gespräch, um weitere Werke für zukünftige Generationen zu erhalten.

Die Publikation «Conservation Projekt Henri Matisse Acanthes» (Deutsch/Englisch) kann für CHF 20.— via marketing@nationalesuisse.ch  bestellt werden.

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