Einmaliges Dorado für Kulturliebhaber

Zwischen den Hügeln der bilderbuchschönen Landschaft am südlichen Bodensee reiht sich ein kunsthistorischer Schatz an den anderen: geschichtsträchtige Altstädte, prächtige Schlösser und Burgen, imposante Klöster entlang des Jakobswegs und eine museale Vielfalt.

VON KARIN BREYER

Bereits die Kelten und Römer waren angetan von der Schönheit des heutigen Thurgaus und gründeten erste kleine Städte und Dörfer. Ihre vollste Blüte entfaltete die Region jedoch vom Mittelalter bis in den Barock, als Gewerbe und Landwirtschaft den Weg zu erheblichem Wohlstand und Reichtum ebneten. Noch heute künden die geschichtsträchtigen Mauern vieler malerischer Orte von jener Zeit, etwa die barocke Kleinstadt Bischofszell zwischen Thur und Sitter, weithin als Rosenstadt bekannt.

Gerade zur warmen Zeit locken die öffentlich zugänglichen, herrlich duftenden Rosengärten, dahinter ragen stattliche Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert in den Oberthurgauer Himmel. Ein weiteres Kleinod bei Stein am Rhein: das entzückende Brückenstädtchen Diessenhofen, das sich elegant an den Rhein schmiegt. Mittelalterlicher Flair weht einem entgegen in den schmalen Gassen der Altstadt mit ihren herrlichen Riegelhäusern, Türmen, Wehrmauern und gemütlichen Cafés. Wer noch tiefer in die regionale Geschichte eintauchen möchte, besucht das pittoreske Pfyn, eine der ältesten Siedlungen der Ostschweiz (erste Pfahlbauten 3706 v. Chr., bekannt als Pfyner Kultur). Den kulturellen und landschaftlichen Reichtum des Thurgaus zu erkunden – sei es bequem mit dem Auto oder der Regionalbahn Thurbo, per Velo oder auf Schusters Rappen –, ist ungeheuer reizvoll. Gar scheint es, als befinde man sich inmitten einer riesigen Gartenlandschaft: Weitläufige Streuobstwiesen und Obstgärten gehen in ausgedehnte Rebhänge über, in öffentlichen Gärten leuchtet und pulsiert ein buntes Blumenmeer . . . Und irgendwo, von nah oder fern, glitzert der Bodensee mit seinen «blendend blanken Seebuchten», wie es Hermann Hesse formulierte.

Perlen der Hochkultur am Jakobsweg

Thurgau auf dem Pilgerweg in Märstetten, hier bei der Pilgerherberge

Seit jeher ist der Thurgau Station vieler Pilger, die vom Bodensee kommend, nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela unterwegs sind. Kein Wunder also, dass sich entlang dieser Routen imposante Klöster, Kirchen und Kapellen erheben, beispielsweise das Augustinerkloster in Kreuzlingen, die Heiligkreuzkapelle in Bernrain oder die herausragende, lachsrosa schimmernde barocke Klosteranlage Fischingen. Ein Juwel in der idyllischen Thurlandschaft, hoch über Frauenfeld, ist die Kartause Ittingen. Früher Kartäuserkloster (1461– 1848), heute eine Hotel-und Seminaranlage mit Kulturangebot und zwei Museen: das Kunstmuseum Thurgau mit einer hochkarätigen Sammlung zeitgenössischer Kunst und das Ittinger Museum, das wunderbare Einblicke in das zurückgezogene Leben der Kartäuser gewährt. Jeden Frühsommer verwandeln über 1000 Rosenstöcke die Gärten in einen duftenden Blütenzauber. Gourmets können sich in wohl einer der schönsten Gartenwirtschaften der Ostschweiz kulinarisch verwöhnen lassen.

Im Land der Burgen und Schlösser
In die sanft hügelige Thurgauer Landschaft sind mehr als 40 Burgen, Schlösser und Ruinen gestreut. Wohl am bekanntesten, am hinreissendsten ist das hoch über dem Untersee thronende Schloss Arenenberg. Heute birgt der einstige Exilsitz der Bonapartes – Napoleon III., der letzte Kaiser Frankreichs, lebte hier zusammen mit seiner Mutter Hortense zwischen 1815 und 1838 – das exquisite Napoleonmuseum Thurgau (mit originaler Inneneinrichtung). Durch den Landschaftspark zu flanieren, ist ein einziges sinnliches Abenteuer. Ein Novum: der 2014 zum Konziljubiläum eröffnete Patriziergarten mit Wasserlauf, Rasenbänken, Zier- und Duftpflanzen, ganz nach mittelalterlichen Paradiesvorstellungen kreiert. Während früher solch ein Lustgarten – er sollte nichts weniger als der «Himmel auf Erden» sein – nur dem Adel und gehobenen Bürgertum vorbehalten war, steht diese Oase der Erholung heute allen grosszügig offen (www.napoleonmuseum.ch). Mit fantastischem See- und
Alpenblick! Ein weiteres historisches Thurgauer Kleinod: Wasserschloss Hagenwil (bei Amriswil) mit Schlossrestaurant im Biedermeierstil (www.schloss-hagenwil.ch).

Seeufer bei Arbon

 

Museale Vielfalt und technische Erlebniswelten

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