Bienen – bedrohte Wunderwelt – Austellung in Schaffhausen

Vom 30. April bis 20. September 2015 im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen

Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum) Honig- und Wildbienen sind für Nutz- und Wildpflanzen die wichtigsten Bestäuber und erbringen dadurch eine enorme ökologische und ökonomische Leistung für Natur und Mensch. Fast 80 % aller Blütenpflanzenarten in unseren Breitengraden sind für ihre Bestäubung auf Insekten angewiesen. Der wirtschaftliche Wert ihrer Bestäuberleistung in der Nahrungsmittelproduktion wird weltweit pro Jahr auf 153 Milliarden Euro geschätzt. © Urs Weibel

Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum)
Honig- und Wildbienen sind für Nutz- und Wildpflanzen die wichtigsten Bestäuber und erbringen dadurch eine enorme ökologische und ökonomische Leistung für Natur und Mensch. Fast 80 % aller Blütenpflanzenarten in unseren Breitengraden sind für ihre Bestäubung auf Insekten angewiesen. Der wirtschaftliche Wert ihrer Bestäuberleistung in der Nahrungsmittelproduktion wird weltweit pro Jahr auf 153 Milliarden Euro geschätzt.
© Urs Weibel

Sie fliegen, stechen und erzeugen Honig. Dass Bienen aber viel mehr können, zeigt ab Ende April eine grosse Sonderausstellung im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Die interdisziplinär angelegte Schau widmet sich auf 800m2 Ausstellungsfläche der Biologie und Kulturgeschichte der Honigbiene und beleuchtet die Vielfalt und Bedeutung der Wildbienen in der Schweiz. Sorgfältige Visualisierungen und modernste Ausstellungstechnik begleiten die Besucherinnen und Besucher auf ihrer Reise durch den faszinierenden Kosmos der Bienen.

In der Schweiz leben 600 Bienenarten, die Honigbiene ist eine davon. Obwohl vernachlässigbar klein, sind die winzigen Arbeiterinnen von unschätzbarem Wert. Sie liefern nicht nur Honig und Wachs; dank der enormen Bestäubungsleistung ist ihr Beitrag an unser Ökosystem und die globale Wirtschaft beträchtlich. Rund ein Drittel unserer Nahrung, so die Schätzung, hängt von der Bestäubung durch Bienen ab. Das perfekt organisierte Staatswesen der Honigbienen, die einzigartige Wabenbauarchitektur und ihre kollektive Intelligenz liess und lässt uns Menschen immer wieder staunen. Obwohl die Wissenschaft sich seit langem intensiv mit dem Phänomen beschäftigt, birgt der „Superorganismus“ Bienenstaat noch immer Geheimnisse, die nicht vollständig gelüftet sind.

Die Ausstellung vermittelt Grundlagenwissen zum Leben der Bienen und zeigt ihren enormen Artenreichtum. Anhand von neusten Forschungsergebnissen werden ihre Lebenszyklen und Fortpflanzungsstrategien spannend und anschaulich visualisiert. Wer glaubt, er wisse alles über „Bienchen und Blümchen“, kann sich in der Ausstellung eines Besseren belehren lassen und wird erstaunt sein, wie komplex die Beziehungen zwischen Pflanze und Tier sind. Wie genau funktioniert der faszinierende Organismus Bienenstaat? Wie finden schwärmende Honigbienen ein neues Nest? Wie sehen die verschieden Nistplätze der Wildbienen aus? Auch diese und weitere Fragen beantwortet die Ausstellung. Mit Hilfe von Präparaten, Modellen, Animationen und Filmen, aber auch mittels Duftessenzen, Toninstallationen und mit lebendigen Bienenvölkern ermöglicht die Ausstellung profunde Einblicke in den Kosmos der Bienen und weckt Emotionen – nicht nur dann, wenn es um das medial vielbeachtete Thema „Bienensterben“ geht.

Abb. 6 Im Tunnelexperiment wird erforscht, wie Honigbienen Entfernungen messen. Der wahrgenommene optische Fluss wird als Distanzangaben beim Bienentanz kommuniziert. Honigbienen, die von einem Flug zum Stock zurückkehren, berichten ihren Artgenossen mit dem so genannten Schwänzeltanz über entdeckte Futterquellen. ©Marco Kleinhenz, BEEgroup

Abb. 6
Im Tunnelexperiment wird erforscht, wie Honigbienen Entfernungen messen. Der wahrgenommene optische Fluss wird als Distanzangaben beim Bienentanz kommuniziert. Honigbienen, die von einem Flug zum Stock zurückkehren, berichten ihren Artgenossen mit dem so genannten Schwänzeltanz über entdeckte Futterquellen.
©Marco Kleinhenz, BEEgroup

Die Ausstellung befasst sich aber nicht nur mit der Biologie der Bienen. Anhand von ausgewählten Objekten, die zurück bis in die Antike führen, zeigt sie auch, wie eng die Biene mit der Kulturgeschichte der Menschheit verbunden ist. Bienenkörbe und Imkerutensilien erzählen von der Entwicklung der Bienenzucht und Honiggewinnung. Illustrierte Bücher aus Klosterbibliotheken und weitere Artefakte zeugen von der religiösen und wirtschaftlichen Rolle der Biene in der Kultur der Klöster. Die Biene lieferte dem Kloster nicht nur das in grossen Mengen benötigte Kerzenwachs, sie war – wie schon in der Antike – auch ein religiöses Symbol von grosser und vielfältiger Bedeutung.

Ab Ausstellungseröffnung bis Anfang August bereichert zudem die Klangskulptur «be a bee» der Musiker Beat Hofmann und Andrew Phillips die Ausstellung. In einem begehbaren Bienenstock werden die ZuhörerInnen klanglich von Bienen umgeben, als wären sie Teil von ihnen. Ein weiterer Klangraum macht den Bienenflug inmitten des Anflugkorridors vor einem Bienenstock räumlich hörbar. Menschliche Stimmen vermengen sich mit dem Gesumme, Naturklang wird zu Kulturklang. Durch künstlerischen Ausdruck bringt die Klangskulptur dem Menschen das Lebewesen Biene näher und sensibilisiert ihn für die schwierige Lebenssituation dieser Tiere.

Bienen. Bedrohte Wunderwelt – 30.April – 20. September 2015 – Museum zu Allerheiligen Schaffhausen

Öffnungszeiten: Di – So 11-17 Uhr

Infos und Begleitprogramm: www.allerheiligen.ch

 

Titelfoto: Bastian Greshake

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